92 Ras Malkastenfest.
Bald erschien daselbst auch Seine Königliche Hoheit der PrinzWilhelm mit Begleitung und Gefolge und es erfolgte nunmehr in demgrossen, schönen, mit Blumen geschmückten Renaissance-Saale des Mal-kastens die Vorstellung zahlreicher Damen iind Herren. Der Prinzschien weder von den bereits durchlebten Festlichkeiten des Tages an-gegriffen, noch ermüdete ihn diese Ceremonie. Immer neue Personen,die nach der Ehre trachteten, ihm genannt zu werden, Hess er sich zu-führen und für jede derselben hatte er ein freundliches, leutseliges Wort.
In dem Speisesaale des Malkastens bot ein reichbesetzter Tischeine grosse Anzahl gewählter Erfrischungen und wurden Getränke allerArt verabreicht, doch fanden diese Spenden verhältnissmässig nur wenigeAbnehmer; hatten sich doch die meisten der anwesenden Herren wenigstenserst vor wenigen Stunden von der Festtafel erhoben und den Uebrigensowie den Damen raubte die Spannung auf den Beginn des Festspielsdas Interesse für materielle Dinge.
Endlich — es war fast 10 Uhr geworden — gab eine empor-zischende Rakete das Zeichen zum Beginne des Schauspiels, von demwir gleich hier sagen wollen, dass der berühmte Geschichtsmaler ProfessorWilhelm Camphausen, der nunmehr schon so manches Jahrzehnthindurch den Malkastenfesten durch seine dichterische Phantasie undseine reiche Darstellungskunst in Poesie wie in Prosa hohen Reiz ver-liehen, sein Autor ist.
Unter Vortritt einer Abtheilung von Landsknechten mit ihren Spiessenverliessen Seine Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm und die übrigenEhrengäste, unter ihnen auch die einstige Gattin Peter's von Cornelius,Signora di Bajardi-Cerboni, den Saal, um die ihnen am Teiche vorbe-haltenen Sitzplätze einzunehmen.
Sie durchschritten auf diesem Wege die doppelte Ulmen-Allee, diein gerader Linie vom Hause zum Teiche führt. Die hochgewölbtenBogengänge dieser Allee waren gewissermassen in eine RuhmeshalleDüsseldorfs und des Malkastens umgeschaffen worden, indem in ihnen,zu sechs auf jeder Seite, die Transparent-Bildnisse von Männern derLiteratur und der Künste aufgestellt waren, die Düsseldorf angehört oderauf dem klassischen Boden des einstigen Jacobi'schen Gartens, der nun-mehr Eigenthum des Malkastens ist, verkehrt hatten. Man schritt vor-über an den Bildnissen des einstigen Herrn dieses Gebietes, des Philo-sophen Friedrich Heinrich Jacobi, seines Bruders Georg und seinerberühmten Gäste Goethe, Herder, Stolberg, und an denen der Berühmt-heiten des neueren Düsseldorfs: Immermann's, Heine's, Grabbe's,Schadow's, Alfred Rethel's, Mendelssohn's und Schumann's.
Am Teiche herrschte Dämmerlicht. In demselben erkannte maneine hohe Felsenbrücke mit geheimnissvollen Grotten, die sich in kühnem