64 Die Enthüllungsfeier.
vollem Ernste, hoher männlicher Eeife; sie zeigen nicht den DüsseldorferAkademie-Director von 1821, sondern den Künstler auf der Höhe seinesAltmeisterthums deutscher Kunst, etwa so, wie er in Berlin seine Camposanto-Zeichnungen schuf, fast so, wie ihn Bendeinann 1862 bei seinemletzten Besuche in Düsseldorf gezeichnet hat.
Cornelius war nicht ein grosser Maler im gewöhnlichen Sinne diesesWortes; er war ein grosser, ernster, gedankenvoller Compositeur, dessenhauptsächlichstes Ausdrucksmittel die Zeichnung ist. So hat ihn uns derBildhauer dargestellt.
Die Leiden weiblichen Figuren zur Seite und zu Füssen des Meisterssind links die Poesie, rechts die Religion. Sie drücken die beiden Grund-elemente seines Wesens aus: die künstlerische Begeisterung und dentiefsinnigen, auf die höchsten Ideen gerichteten Ernst, aber sie bezeichnenauch die beiden grossen Stoffgebiete, denen seine Kunst ausschliesslichgewidmet gewesen. Dass der Schöpfer des Denkmals in der Religionmehr die denkende, als die empfindende Seite zum Ausdrucke gebracht,dass seine Poesie nicht die jugendlich-heitere lyrische, sondern die ge-reiftere heroisch-epische ist, wird durch die Art, in welcher CorneliusBeiden nahe getreten ist, hinreichend begründet.
Auf der Vorderseite desBronce-Postamentes befindet sich ein grösseresRelief. Es stellt eine weibliche Figur, die an der Palette in ihrer Handleicht als die Malerei kenntlich ist, aiif einer schwebenden Sphynx sitzend,vor. Die Verbindung dieser beiden Gestalten scheint den geheimniss-vollen Ursprung, das Mystische der künstlerischen Conception ausdrückenzu sollen. Auch die ideale, die Gedanken-Malerei wurzelt, wie allekünstlerische Erscheinung, in einem räthselhaften Urgründe.
Unter diesem Relief befindet sich ein kleineres in die Basis desDenkmals eingelassen. Seine beiden Figuren, eine männliche und eineweibliche, die Natur und den Genius bedeutend, rufen uns den Satz inErinnerung, den Cornelius unter sein von Bendemann gezeichnetesPortrait geschrieben, und der als ein Wahlspruch seines Lebens undSchaffens zu gelten hat: „Die Natur ist die Frau, der Genius der Mann;wenn Beide sich in Liebe vereinen, erzeugen sie iinsterbliche Kinder,schön und herrlich, wie sie selbst."
Wenden wir uns nun zu den Reliefs der Rückseite. In dem kleineren,in der Basis daselbst befindlichen, gewahren wir „Faust und Helena",das Sinnbild der Vereinigung des deutschen Geistes mit der klassischenForm. Diesem Gedanken giebt das darüber befindliche grössere Reliefweiteren, speciell auf Cornelius und seine Stellung in der Kunst bezüg-lichen Ausdruck. Es zeigt uns zwei schöne, blühende Frauengestalten.Es sind Italia und Germania. Die Erstere ist im Begriffe, das Hauptder Andern mit einem Kranze zu schmücken. Die Medaillon - Portraits