177euch gethan. Was begehrt ihr nun aber unter Anderem? Vaterunser, vergib uns unsere Schulden, das heißt: vergib, verzeiheuns unsere Sünden, die uns vor Dir schuldig machen, und denewigen Tod verdienen. Wozu dieses? Ihr glaubet, daß euchdieselben vergeben sind; ihr glaubet, daß Gott sie euch nicht zurechnet, ja, daß er in Ewigkeit derselben nicht gedenken will. Wasthut ihr dann also, nach eurem eigenen Glauben, als daß ihrGott dem Herrn mit eurem Gebete nur lästig fallet und Spottdamit treibet?Nehmen wir einmal den Fall, daß ein Bruder der Gemeinde,wie es manchesmal geschieht, in einen Ehebruch, oder in Trunken-heit geräth, oder einen Todtschlag oder Dieberei begeht. Er be-kommt darüber am folgenden Tage Reue und Leidwesen. Wasthut er nun? Er bittet Gott um Verzeihung; fürwahr das ist eingutes Werk, nach eurem Glauben aber ist es Possenspiel undNarrenwerk, welches Gott nicht erhören, sondern bestrafen und be-lachen muß mit den Worten: „Thörichter Mensch, was beginnstDu, daß Du mir lästig bist mit der Bitte um Vergebung DeinerSünden? Weißt Du nicht, daß ich Dich von Ewigkeit zur Selig-keit vorherbestimmt habe, und daß Du darum gar durchaus nichtverloren gehen kannst? Weißt Du nicht, was euer Glaube sagt,daß Du allezeit vor mir gerecht bist, wie grob und bunt Du esauch mit dem Sündigen machst? daß Dir nimmermehr Deine Sün-den zugerechnet werden? ja auch in der Ewigkeit nicht? Gehe vonmir, Du Spötter! — und zwar nach Deinem eigenen Glaubenund nach Deiner Religion!Männer, Brüder! ich schreibe dieses an euch, nicht als anUnverständige, und als wüßtet ihr nicht, daß eure Religion aufdiese und dergleichen Fundamente und Grundsätze gebaut ist; dennihr könnet das so gut wissen, als ich, so ihr nur thun wollet, wieich durch Gottes Gnade gethan habe; sondern ich habe es euchgeschrieben, daß ihr nicht euch fürchten sollet vor dem Vogel Straußder jedes Jahr nur ein Ei legt, und dabei nicht hoch fliegen kann.Gebrauchet nur die Flügel des Fastens, des Almosens und desGebets, wie Sanct Augustin sagt, und ihr werdet sehen, wie schönund leicht ihr euch mit diesen Fittichen seinem Blicke entschwinget,zu den Höhen des Himmels euch erhebet, und so der Gefahr, inseine Klauen zu gerathen, entgehet.Nichts in der Welt verdrießt und ärgert diesen Menschenmehr und verwickelt ihn tiefer in's Geschwätz, als daß ich, wie ichnoch bei euch war, bei den Herren Deputirten in so großer Gunstund Achtung stand; er urtheilt nun darüber, wie übel und unnützdiese an mir verschwendet ist. — Wem aber kommt dieses Urtheilzu? Ihm? Ich sage: Nein! Sondern dem, der alle Seelen beur-theilt. Weiß er nicht, was er ist? ein lügenhafter Mensch, derein verkehrtes Urtheil hat. Weiß er auch wohl, in welchem Hauseer wohnt? Wovon er lebt? Wovon er mit Frau und KindernZelhorst, Bekehrungsgründe.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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177
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