154Die Katholiken wissen auch sehr wohl, daß es eine Vorher-bestimmung und einen ewigen Rathschluß gibt, über den Gottnicht hinausgehen will. Und dieses ist so wahr, daß Gottes aus-erlesenes Gefäß darüber ausrufen muß: „O Tiefe (o Abgrund)des Reichthums, der Weisheit und Erkenntniß Gottes. Wieunbegreiflich sind seine Gerichte, und wie unerforschlich sind seineWege. Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder werist sein Rathgeber gewesen?“ Röm. 11, 33 u. 34. — Er istdarüber erstaunt mit großer Furcht, nicht hineinschauend in diesenAbgrund.Aber es gibt noch einen andern Rathschluß, welchen Gottausgesprochen, den er uns Allen hat wissen lassen, und welchervorzüglich in folgenden drei Punkten besteht:1. Daß er von Ewigkeit bestimmt, beschlossen und geordnethat, daß ihm Niemand, weder in der Zeit, noch in der Ewigkeitgefallen kann ohne den einen, wahrhaften und heiligen katholischenGlauben; und daß er denen, die glauben, Macht gibt, GottesKinder zu werden;2. Daß Alle, welche diese Macht empfangen haben, dieselbegebrauchen müssen in der Erfüllung seiner Gebote, wofern sie zumLeben eingehen wollen;3. Daß es nicht hinreicht, das Werk gut zu beginnen, son-dern wer selig werden will, muß darin bis zum Ende beharren.Wer sich nach diesem Rathschluß richtet, der wird sichergerettet werden.Aber laßt uns jetzt sehen, worin eure Mühe und euer vielesSchreiben eigentlich besteht, und welche Bedeutung eure furiösen,will sagen seriösen Briefe haben. Wohlan hier sind sie! ich legesie vor Jedermanns Augen offen dar; alle Christen können sielesen. Kann mir jemand in denselben seriöse, gewichtige Gründevon solcher Kraft zeigen, daß sie mich bewegen, meinen Sinn zuändern, sowie meinen Glauben: Seht da! ich bin bereit. Jewerde sie mit so großer Begierde annehmen, als ich meine höchsteund ewige Seligkeit wünsche und suche.Nach meinem dummen Verstande nun finde ich in dem obenmitgetheilten Briefe ebensowenig, wie in den früheren, worin ihrsaget und mir vor Augen stellet, daß ich mich zum Sauerteige desPapstthums begeben habe, und in dem angeblichen Gräuel, welcherin demselben herrscht, gar keine stichhaltigen, kräftigen und durch-dringenden Gründe, als folgende, welche euch aus dem Innersteneures Herzens, sowie eurer Feder gefallen sind, und also lauten:„Desfalls hat Ehrw. Classis uns aufgetragen, Euch noch einmal zuschreiben und zu ermahnen, daß Ihr Euch besser bedenken wollet, damit dergerechte Gott Euch nicht einem verkehrten Sinne übergebe, weil Ihr dieWahrheit verlassen, und die ausgespieene Lüge wieder hineintrinket, undquibus operaretur et velle. Et similia multa dicuntur propter hujus utilitatem secreti, ne forte quis extollatur, sed omnes, qui bene currunt, timeant.dum occultum est, quo perveniant. Lib. de corrept, el grat. cap. 13.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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154
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