140Befestigung des Glaubens, zur Verherrlichung seines Namens undzum Troste so vieler elenden Menschen, so frage ich: Wo geschehendiese wunderbaren Thaten? Ist es nicht in der römisch=katholischenKirche, und zwar an allen Orten der ganzen Welt, wo der Herrso wunderbar wirkt?Von welcher großen Bedeutung ist alles dieses?Dazu kommt noch, daß man nirgends eine solche Eintrachtund Einigkeit in der Religion, im Glauben so wie im Gottes-dienste findet, und alles dieses unter dem Gehorsam, den die ganzeChristenheit dieser Kirche ihrem obersten Bischofe leistet. Dennwohin ihr kommt, sei es nach Italien, sei es nach Spanien odernach Frankreich, ja geht die ganze Welt durch: ihr werdet finden,daß in allen katholischen Gemeinden eine und dieselbe Religion,ein Glaube, derselbe Gottesdienst blühet, als wären alle ein Herz,ein Geist und eine Seele; so daß es also offenbar und unläugbar ist,daß Christi Gebet für die Kirche allein seine Kraft zeigt, wie wirdieses beim Evangelisten lesen. Joh. 17.Zuletzt, um dahin zu kommen, wohin ich eigentlich wollte.Unlängst stellte ich mich einmal an einen sicheren Ort, um dasTreiben und Leben dieser Welt anzuschauen. Und als ich in tiefeGedanken mich versenkte, siehe da schlug ich die Augen auf, und saheinen großen, mächtigen Riesen, wie ein Nimrod, der den Thurmzu Babel bauete, oder wie ein Goliath, welcher das Heerlager desHerrn verspottete und bestreiten wollte, der auf seinem Gewandeeschrieben hatte: Rex superbia. Er war ein König der Hoffartund des Stolzes, und führte an seiner Hand ein Weib, dasHaeresis hieß oder Ketzerei, welchem eine unzählige Menge Volkesverschiedener Beschaffenheit mit großer Begier, Lust und Freudefolgte, mit dem Unterschiede jedoch, daß die höchsten und vornehmsten darunter, welche nicht gar schlecht sahen, recht wohl bemerktendaß dieses Weib eine gefangene Sklavin war, die jedem zum Bestengegeben wurde, so daß sie dasselbe auch manchmal auslachten undbespotteten als ein offenbar unzüchtiges Weib, welches mit seinemgeschmückten Angesicht, mit süßen Worten und prunkvollen Kleidernihre Liebhaber anlockte, und sie in den Hof Pluto's, nämlich zurHölle führteNachdem diese vorübergegangen waren, seht, was Wunder,ja über alle Maßen Wunder ſah ich alsdann!Es kam Einer herangeschritten, wie die Sonne der Gerechtigkeit in ihrem Glanze, in einem Purpurgewande, an dessen Saumdie Worte geschrieben standen: „König der Könige; Herrscher derHerrschenden. 1 An Seiner Rechten führte Er Seine einzig aus-erkorene Braut, vor deren Stirne die Worte standen: „Die Kirchedes lebendigen Gottes," welche Er durch Sein eigenes Blut sicherworben, und in demselben sie so rein und weiß gewaschen hatte,Rex Regum et Dominus Dominantium. — 2 Ecclesia Dei viventis.
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten