Druckschrift 
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86Zütphen, der dieses nicht läugnen kann, in der Wohnung von Faes Pe-ters, Bürgermeisters von Doesburg, im Jahre 1630, als wir Collegenund zusammen Inspectoren waren) behaupten und beweisen wollte, daßMaria, die gebenedeite Mutter des Herrn, nach der Geburt Ihres erst-gebornen Sohnes Jesus keine reine Jungfrau geblieben, sondern nochmehrere andere Kinder ihrem Manne Joseph geboren habe, gleichwievormals der verdammte Ketzer Helvidius gelehrt hat, gegen welchen derheil. Hieronymus ein ganzes Buch zur Widerlegung geschrieben, und die-ses Teufelskind zu Schanden gemacht hat. Dieß passirte cum caeteriserroribus, wir aßen und tranken, und wurden deßhalb keine Feinde.Chyträus, ein Lutheraner, sagt und schreibt mit Bedacht und Ueber-legung:Die christliche Gottesfurcht wird nicht verletzt, wenn wir glau-ben, daß die Jungfrau Maria nach der Geburt noch den Umgang ihresMannes gehabt.Diese Gottesfurcht lassen wir auch den reformirten Prädicantengerne über.Was mehr! Latemerus, einer der reformirten Hauptprädicantenunter Heinrich VIII. in England, hat sich also in seinen Predigten ver-nehmen lassen:Maria hat im geringsten keine Würdigkeit dadurch erhaltendaß sie Christum geboren, denn sie war (hört und seht hier ein Mon-strum aus der Hölle, welches also lästert!)gleich einem Säckchen, dasvoll ist von Safran oder Gold, und welches, mit diesen kostbaren Gegen-ständen gefüllt, sehr werthvoll, wenn es aber leer ist, keinen Werthmehr hat.Hat Nestorius es schlechter machen können, dessen vermaledeite ZungGott lebendig von den Würmern hat verzehren lassen?Ist das nun nicht aber auch die Gesinnung und Meinung derPrädicanten? Nothwendig muß sie so sein, wenn sie auf die vorgenann-ten Fragen und Antworten ihres Catechismus bestehen wollenHört nur, was ferner hiegegen geschehen ist.Da meine Hausfrau für die Ehre der gebenedeiten Mutter desHerrn streiten wollte, und für dieselbe sich erhob wider die Hausfraudes Albert van Wyck, damals Richter in Hengel, welche meine Fraumit den Worten angriff: Der Prädicant Arnoldus (mein Nachbar) habesehr gut die Worte des Evangeliums ausgelegt:Selig der Leib, derdich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast; worauf der Herrantwortete:Jawohl, selig sind, die Gottes Wort hören und es be-wahren; und habe aus diesen Worten gelehrt, daß Maria nicht bessersei, als andere Menschen, und daß wir ebenso gerecht, heilig und seligvor Gott seien, wie sie, wenn wir nur recht an Jesus Christus glaub-ten; da erwiderte nun meine Hausfrau dagegen und sagte: Was sinddas für Reden? Solche Worte geziemen sich nicht für. Christen! Meintdenn der Prädicant, daß Christus hiermit die Ehre seiner Mutter, dieihr in Wahrheit zukommt, habe verkleinern wollen? Sie, die gebenedeiete Jungfrau, hat gesagt:Von nun an werden mich alle GeschlechterNon laeditur Christiana pietas, si Virginem Mariam post partum con-- 2 Nihil dignitasuetudinem viri admisisse credamus. In cap. I. Matth.tis accessit Mariae, quod Christum peperit; fuit enim sacculo crocum, velaurum complectenti similis, qui ut oppletus magni pendatur, depletus tamen nullius est momenti vel pretii. In Calvino Turcismo lib. 5, cap. 15.