83Gebot Gottes zu halten sei schwerer, als der Aetna zu tragenferner: daß die Prädicanten von Gott beauftragt seien, deßhalbdas Halten der Gebote so strenge zu predigen, nicht als müßtenoder könnten sie beobachtet werden, sondern um dadurch täglichmehr die böse Natur kennen zu lernen.Was soll man hievon sagen? Wird man nicht mit Augu-stinus, Hieronymus, mit der ganzen Christenheit ausrufen: „Wirverfluchen und übergeben dem Teufel die Blasphemie und Gottes-lästerung derjenigen, welche da sagen, daß Gott der Herr demMenschen etwas geboten habe, was ihm unmöglich zu erfüllen sei.Derjenige, durch den die Gnade und Wahrheit geworden ist, hatgesagt: „Nehmet auf euch mein Joch, denn mein Joch ist süßund meine Bürde ist leicht.“ Matth. 11. Die Worte erklärtder heil. Chrysostomus: „In der That hat Christus der Herröffentlich und rundaus gesagt von seinen Geboten, daß nichts indenselben sei, was uns mühsam und schwer fallen könne; da erversichert: Mein Joch ist süß u. s. w. Wir dagegen machenschwer, was uns leicht gemacht; was er uns als süß darstelltdas machen wir bitter und hart, — wodurch? durch unsere Sün-den!“ Der Jünger der Liebe läßt uns dieses aus dem Mundeseines Herrn vernehmen, indem er spricht: „Das ist die LiebeGottes, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nichtschwer. I. Joh. 5, 3. Hierauf beziehen sich alle heil. Väter undstimmen damit überein. Der heil. Hieronymus sagt: „Niemandzweifelt daran, daß das, was Gott befohlen, möglich ist.“St. Augustin spricht hierüber also: „Es ist sicher, daß wirGottes Gebote halten, wenn wir nur wollen. Weil aber derWille zuvor vom Herrn bereitet wird, so muß man ihn bittendaß unser Wille so stark werde, als nothwendig ist, auf daß wirdurch den Willen sie auch vollbringen.“ — Und wiederum aneiner andern Stelle spricht er: „Nun sagt aber einer: Keineswegskann ich meine Feinde lieben. Gott sagt dir in der heil. Schriftan allen Stellen, daß du dieses vermagst. Du entgegnest aber,daß man es nicht könne. Bedenke nun wohl, ob man dir oderGott glauben müsse. Und darum, weil die Wahrheit nicht lügenkann, so mag die menschliche Schwachheit ihre Entschuldigungennur bei Seite lassen. Denn der gerechte Gott kann nichts Un-mögliches befehlen; noch kann Er, die Güte selbst, den Menschen1 Execramur blasphemiam eorum, qui dicunt impossibile aliquidhomini a Deo esse præceptum. Aug. serm. 191 de temp. — Hieron. in explicat. Symb. ad Damasum. — 2 Revera ipse pronuntiavit de praeceptis suisquod nihil in eis laboriosum sit et nihil oneresum, dicens: Jugum meumsuave est, et onus meum leve. Et nos e contra gravia efficimus, quae illelevia constituit, et quæ ille suavia posuit, nos facimus amara peccando. Lib 4de compunct. cord. — 3 Deus possibilia mandavit: hoc nulli dubium, Lib.5 adv. Pelag. — 4 Certum est, nos mandata servare, si volumus: sedquia voluntas praeparatur a Domino, ab illo petendum est, ut tantum veli-mus, quantum sufficit, ut volendo faciamus. Lib. de grat. et lib. arb.Cap. 16.6*
Druckschrift
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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Seite
83
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