und verkehrter Schamhaftigkeit entsteht, so daß wir nicht einmaldarnach forschen mögen. Und diese Unwissenheit ist so beschaffenund tritt dergestalt zu Tag, daß sie nicht einmal Entschuldigungvorzuwenden gedenkt.Diese Unwissenheit ist nach dem heil. Augustin eine sehr böseMutter zweier bösartigen, frechen und schädlichen Töchter, welcheihr stets folgen und die Hand bieten, nämlich die Falschheit oderdie Lüge und die Zweifelhaftigkeit, welche sehr beklagenswertlsind; die erstere aber ist noch die beklagenswertheste, denn währenddiese den größten Schaden bringt, führt letztere nur die meistenBeschwerlichkeiten mit sich. Was thut die Erste? Das Gutenennt sie böse, das Böse gut; die Finsterniß ist ihr Licht und dasLicht — Finsterniß; das Bittere nennt sie süß, das Süße bitterwie der Prophet sagt. Und was thut die zweite? Sie steht stillwill den Fuß nicht einmal bewegen, damit sie der Wahrheit nichtzu nahe trete; sie lauscht stets nach beiden Seiten, ohne die Wahrheit zu erfassen, nicht ohne große Betrübniß und Trauer für dieKinder der Wahrheit. Höret den alten Lehrer Origenes: „Neigedeine Ohren nicht zu jenen, die da sagen: Sieh', hier ist Christus;denn sie zeigen Ihn nicht in der Kirche, welche von Osten bisWesten, in vollem Glanze und im göttlichen Lichte schwimmt, dieSäule und Grundfeste der Wahrheit ist, und den ganzen Men-schensohn in sich begreift, der da zu Allen gesagt hat: Sehet, ichbin bei Euch alle Tage 2c. 21 So wäre ihnen leicht zu helfen.Zweites Kapitel.Wie man die katholische Wahrheit suchen muß und finden kann.Der lautere Mund des heil. Priesters Bernardus spricht:„Da es drei Stufen der Wahrheit gibt, so ersteigen wir die erstedurch die Anstrengung der Demuth“ (das ist die erste nothwen-digste Lehre Christi an seine Jünger); „die zweite ersteigen wirdurch das Gefühl des Mitleides“ (das wir unserm Nächsten be-zeugen); „die dritte endlich durch den Aufschwung der Beschau-lichke“ (nicht der irdischen, sondern der himmlischen Dinge, welchekein Auge gesehen).So ist also die erste nothwendigste Stufe zur Wahrheit diereine Demuth des Herzens, deren ärgster Feind die Hoffart istund die Eigenliebe, die erste Stufe und Mutter aller Falschheitund Lüge und alles Betruges, so wie aller Ketzereien. Die katho-lische Wahrheit hat diese Gabe und Macht, daß sie durch Gottdie Starken zu Schanden macht, und alle Hoheit ohnmächtig stelltTract. 30 in Matth.2 Cum sint tres gradus seu status veritatis! ad primum ascendimusper laborem humilitatis: ad secundum per affectum compassionis: ad tertium per excessum contemplationis.
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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