221Nachmittags um 6 Uhr verabschiedeten wir uns mitaufrichtigem Dank von den guten Carmeliter=Vätern undbegaben uns nach Kaipha, um das Schiff abzuwarten,was uns wieder zur lieblichen Heimath zurückbringensollte. Da es unbestimmt war, zu welcher Zeit dasSchiff ankommen würde, so begaben wir uns auf denRath des preußischen Konsular=Agenten in ein griechischesHospiz. Es wurden uns dort einige Treppen hoch,wo jede einzelne Treppe mit einer Thüre abgeschlossenwar, drei Räume angewiesen, wo ziemlich alles fehlte,nur nicht, wie meine Reisegefährten versicherten, — dasUngeziefer. Einige Herren nahmen etwas Kaffee. Nach-dem wir die ganze Nacht auf das Schiff gewartet hatten,kam dasselbe am folgenden Morgen gegen 5 Uhr an.Auf die Nachricht, das Schiff sei in Sicht, eilten diemeisten Herren sofort nach dem Landungsplatz. EinigeHerren, die zurückgeblieben, wozu auch ich gehörte, woll-ten nun den Besitzer des Hospiz für seine Mühen be-zahlen, womit wir aber erst nach großen Schwierigkeitenfertig wurden; der Wirth verlangte nämlich die verhält-nißmäßig ungeheure hohe Summe von 40 Frs., womitwir uns nicht einverstanden erklärten, sondern nur dasbezahlen wollten, was der Consular=Agent bestimmenwürde. Auf diesen Vorschlag aber ging der Wirth nichtein, sondern er rief schnell einige Knechte herbei, es wur-den alle Thüren geschlossen, und so saßen wir im Ge-fängniß. Es gelang uns aber theils durch gute Worte,theils durch Drohungen, bis zur letzten Thüre hinaus-zukommen, diese aber sollte verschlossen bleiben, bis wirden letzten Heller bezahlen würden. Es wurde lange
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
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221
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