119und wir befürchteten ein Erdbeben, um so mehr, da zweiTage vorher in der Nacht ein solches stattgefunden hatte.Vor Tisch besuchten wir noch den Herrn von Lenk, umfür die bevorstehenden Ausflüge nähere Rücksprache zunehmen. Den Nachmittag besuchten wir den Ort, woder Herr Seinen Jüngern das „Vater Unser“ lehrte:ferner bestiegen wir den Oelberg, von wo man einenherrlichen Ueberblick über Jerusalem und die ganze Um-gegend hat, besahen die Himmelfahrtskirche, schauten dieStelle, wo Christus vor Seiner Himmelfahrt mit Sei-nem linken Fuße zuletzt die Erde berührte. Mir war's,als hörte ich die Stimme des Engels: „Er wird wieder-kommen“ und das Echo rief: „Wiederkommen, wieder-kommen zum Gericht!“ Besuchten den Berg Samuel,wo die Fürsten und Propheten begraben sind; den Fran-kenberg; Bethanien, jetzt ein elendes Dorf; die Wohnungder Schwestern Maria und Martha, und das Grab desLazarus, welches 32 Stufen unter der Oberfläche liegt,und dessen Eingang sehr beschwerlich ist. Von dem Oel-berge aus konnten wir sehen den Weg nach dem todtenMeere, das todte Meer selbst mit den Gebirgen jenseitsdieses Meeres, die Wüste, den Jordan, das Thal Josa-phat, den Berg Sion, die Berge bei Bethlehem, denBach Cedron und den Weg nach St. Sabas, was einenunbeschreiblich tiefen Eindruck macht. Von hier aus be-gaben wir uns zu der Stelle, wo die drei weinendenFrauen dem Heiland auf dem Leidenswege begegneten.Dann gingen wir zum Marienbrunnen, wo wir 30 Stu-fen hinunter gehen mußten, um zum Wasser zu gelangen.Hier holte die heil. Jungfrau Maria das Wasser, wenn
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
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119
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