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Marie Pypeling, die Mutter Peter Paul Rubens'.
Es ist zweifellos, dass das Leben und die Zukunft der Kindernicht bloss durch die von ihren Aeltern ererbten Naturanlagen,sondern auch durch deren Führung wesentlich beeinnusst wird.So oft es also von Interesse ist, das Leben eines Menschen dar-zustellen, werden seine Aeltern nicht unbeachtet bleiben dürfen,zumal wenn es sich um Personen handelt, die einen welthistorischenEinfluss ausgeübt haben. Zu diesen gehört Peter Paul Rubens,der grosse Maler, der gewaudte Staatsmann und tüchtige Gelehrte,der schon so viele Federn in Bewegung gesetzt hat. Die Forschungnach seinen Aeltern wird um so viel interessanter sein, als sieuns in seiner Mutter eine Frau kennen lehrt, die in einemergreifenden Drama ebenso sehr durch Verstand, Menschen- undGeschäftskenntniss als durch Herzensgute, Aufopferungsgabe undUnVerdrossenheit sich ausgezeichnet hat.
Der Vater unsers Künstlers, Johann Rubens, war der Sohnvon Bartholomäus Rubens und Barbara Spirink, beide Bürger zuAntwerpen, wurde am 19. März 15S0 daselbst geboren, Avidmetesich der Rechtswissenschaft, studierte sieben Jahre in Italien underwarb sich den Doctorgrad im geistlichen und weltlichen Rechte.Ins Vaterland zurückgekehrt, liess er sich in Antwerpen nieder,heirathete 1561 die in Abbildung Nr. 11 dargestellte MariaPypelink, geboren am 21. März 1538, Tochter von HeinrichPypelink und Klara Tolyns, Bürger zu Bakhoven, trieb Gross-haiidel und sass sechs Jahre im Schöffen coli egium; seine Frau,eine für ihre Zeit reiche Dame, brachte ihm an Baar über 6000Thaler, dazu Erbrechte auf Güter zu Lire, Vogelsang, Nispen,Antwerpen u. s. vv. Daneben besass sie, was mehr gilt, einenhellen Verstand, Sprach- und Geschäftskenntniss, ungewohnteThatkraft gepaart mit Aufopferungsgabe und Milde, überhaupteinen seltenen Seelenadel, der, nachdem ihr reines, vielgeprüftesLeben offengelegt ist, sie in der Geschichte hochstellt.
Am Ende des Jahres 1568 oder Anfang 1569 verliess Rubensmit seiner Familie Antwerpen und zog nach Cöln. Der Grunddieser Auswanderung war nicht, wie seither die Biographenbehauptet haben, weil er als eifriger Katholik sich den Bilder-stürmern und Umstürzern entziehen wollte, es trieb ihn vielmehr,der, beiläufig gesagt, ebenso wol wie seine Frau dem lutherischenBekenntnisse anhing, ein ganz anderer, materieller Grund. DieFürstin Anna von Sachsen, welche, wie sich gleich zeigen wird,