DIE KUNST UNSERER ZEIT
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hat den Zeichenstift längst aus der Hand gelegt und offenbart sich seiner Nation, die ihn vergöttert,nur mehr als feinsinniger und geistvoller Dichter. Er ist im Jahre 1902 siebzig Jahre alt geworden.In voller Kraft und Tätigkeit ist unser Meister Oberländer, dem heute noch, trotz der Scharjunger und starker Talente, die neu aufgetaucht sind, den Rang des ersten zeichnenden HumoristenDeutschlands niemand abzusprechen wagt. Er eint die schärfste Beobachtungsgabe für allesCharakteristische, für jene Unzulänglichkeiten und Missverhältnisse im Leben, welche die Komikbedingen, mit einer nie fehlenden Liebenswürdigkeit. Während die grosse Mehrzahl seiner jüngerenBerufsgenossen in künstlerischer Weise den Witz pflegt, ist Oberländer Vertreter des reinenHumors. Dieser verhält sich zu jenem ungefähr wie Gemüt und Verstand. Oberländer, überdessen Zeichnungen vielleicht mehr gelacht worden ist, als über die irgend eines anderendeutschen Zeichners — Busch ausgenommen, natürlich! — verletzt nie! Auch der Getroffenewird über die Pritschenschläge seiner Satire lachen müssen, wenn er kein ganz trauriger Kumpanist. Busch haut schon schärfer zu — seine Pritsche trifft zur rechten Zeit auch mit der Kante.Zwischen ihm und Oberländer besteht stark ausgesprochen der Gegensatz von Nord- und Süddeutsch.Einzig in ihrer Art sind sie alle beide. An den Reichtum und die reife Klarheit ihrer Naturenkann von den zeitgenössischen Karikaturisten des Auslandes kaum einer heran, auch die grossenFranzosen nicht, nicht Forain, nicht Caran d'Ache und nicht Leandre. Dem ersten fehlt die
Eugen Kirchner. Weibliche Couleurstudenten(Aus den „Fliegenden Blattern", München)
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