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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Entstehung
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198das Kloster hätten sich aller kirchlichen Freiheiten zu erfreuen,welche die Mendikanten=Klöster überhaupt besaßen. Der Fun-dator behielt sich jedoch für seine Person und seine Nach-kommen das Patronatsrecht aus und zwar so, daß er beiAufhebung oder Erlöschung des Franziskanerordens die Stif-tung einem andern Orden übertragen dürfe. Wären jedochdie Brüder durch Krieg oder sonst ohne eigene Schuld ge-zwungen, das Kloster zu verlassen, so dürften sie so bald alsthunlich dasselbe wieder in Besitz nehmen.Die Minoriten verpflichteten sich dagegen, daß stets soviele Mönche im Kloster wären, als für den Gottesdienstund den Chordienst nöthig seien. Die Gedächtnißtage dereingangs genannten Heiligen sollten in der Kirche festlichbegangen werden, ebenso das Jahrgedächtniß für die FamilieVirmond an einem passenden Tage vor oder nach dem FesteMariä Geburt, und zwar so, daß außer einem feierlichenHochamte von sämmtlichen Priestern das h. Meßopfer in dieserIntention gelesen würde. Für die herrschaftliche Familiemußte auch jeden Sonn= und Feiertag nach der Predigt einöffentliches Gebet verrichtet werden, auch sollten die Mönchesofort bereit sein, wenn in der Schloßkapelle eine h. Messeverlangt wurde. (Bis dahin scheint der Vikar des Kreuz-Altars in der Anrather Pfarrkirche die Verpflichtung gehabtzu haben, bei Anwesenheit der Herrschaft in der Schloßkapelleden Kirchendienst zu verrichten. Schon 1505 wird ein JohannKuiper, Vikar des gen. Altars, als Neersener Schloßkaplangenannt; ebenso wird zu Zeiten des Aurather Pastors Vysell1550 ein „her Johan, capellan zur Nersen“ erwähnt.)Eine weitere Verpflichtung des Klosters war, daß denBewohnern des Dorfes Gelegenheit geboten würde, zu passenderZeit täglich der h. Messe beiwohnen zu können. Den Reli-gions=Unterricht der Schulkinder mußten die Minoriten ebenfalls ertheilen, zugleich für solche, welche studieren wollteneine sog. lateinische Schule einrichten, worin die Anfangs-gründe der lateinischen Sprache bis zur Syntax gelehrt wurdenDamit die Bewohner des Ortes nicht belästigt würdensollten sich die Brüder mit den gewöhnlichen Terminen be-gnügen, überhaupt sich der klösterlichen Zucht und Clausurbefleißigen und besonders nicht einzeln durch Dorf und Feldumherschweifen.