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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Entstehung
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117sie in der Kirche freie Sitze hätten, sondern es spricht dafürder Umstand, daß ohne ihre Bewilligung nicht einmal eineGrabstätte in der Kirche verkauft werden durfte. Möglichdaß der Ort schon florirte, als eine Verschenkung oder Thei-lung der umliegenden Fluren stattfand, die dann in denBesitz verschiedener Herren gelangten. Daß die Gegend schonin der ältesten Zeit stellenweise bevölkert war, ergibt sich ausder vor wenigen Jahren stattgehabten Auffindung altgerma-nischer oder merowingischer Gräber zu Hagen, eine halbeStunde von Anrath, sowie aus den verschiedenen mit „Donk“bezeichneten Orten, z. B. die Süßdonk (Sißdonk) mit einerStelle die „Todtenlei“ genannt;*) ferner aus der Anlage desmassiven Kirchthurmes, den früher die Gemeinde zu bauenverpflichtet war.Der Name „Anrath“ kommt in verschiedener Form vor.Man schrieb Anroide, Anrode, Amrath, Anrait, Anrat,**) gleichbedeutend mit „amAnrath. Die Form „Amrat“Rott“ spricht für obige Vermuthung, daß die erste Ansiedel-ung sich in einer wüsten Gegend vollzog. Die Volkssage,nach welcher eine gewisse Anna, die Besitzerin einer Burg,hier eine Rodung anlegte, woher der Name Annarat ent-standen wäre, hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Ebensogewagt erscheint die Ableitung von dem celtischen anara, was.ſo viel heißt als Bach, Waſſer.Ein Gemeindewesen muß sich hier schon früh ausgebildethaben, indem Aurath, in communaler Beziehung von denvngrenzenden Honschaften unabhängig, seine eigene Verwaltungund seine eigene Gerichtsscheffen hatte.*) An dieser Stelle will man Hufeisen von eigenthümlicher Form.auch Gebein gefunden haben. Deutet das nicht auf eine hier vorge-fallene Schlacht zwischen den auf der Donk angesiedelten Ureinwohnernund ihren Feinden?**) In einer Urkunde über Voewinkeler=Hof bei Willich vom Jahre1381. Niederrhein, 1878. S. 183.***) Von Sprachforschern ist es längst als Thatsache hingestellt,daß das Volk der Kelten, welches sich im 5. Jahrhundert vor Christusüber Gallien verbreitete, auch unsere Gegend bewohnte. ZahlreicheNamen von Ortschaften und Höfen enthalten Anklänge an jene früheZeit. In Anrath treffen wir, um nur eins anzuführen, den „Visels-Hof auf der Gieten“ (an der Gosse) Visc, visch, keltisch, heißt Bach.Hier hat der Hof vom Bach seinen Namen erhalten.