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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Entstehung
Seite
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101ließ Bernadotte die Nacht hindurch die Stadt bombardirenwodurch das churfürstliche Schloß, das Kloster der sogenanntenblauen Beguinen*) und viele Häuser eingeäschert wurden.Am Nachmittag des 5. Oktober kamen die neuen Völker-beglücker von Willich her auch nach Neersen und zwar Chas-seurs. Beim Hause Clörath ließen die über Viersen vor-dringenden Franzosen eine Brücke über die Niers schlagenund die Nebengräben mit Holz und Stroh füllen, und baldwar die ganze Gegend besetzt. Ein Anrather Augenzeuge,Bürger mit Namen, schreibt über die Ankunft der fränkischenHelden: „Ja, sie seindt in das Land gekommen, wie einKind auf die Welt, also hat das Land sie ernähren müsse.Wie sahen die Soldaten aus? Keine Schuhe, keine Strümpfe,zerrissene Beinkleider, Röcke, die kaum noch zusammenhingen.An Uniform ist nicht zu denken, der eine trägt einen blauender andere einen grünen Rock, der eine Schuhe, der anderezerrissene Ueberstrümpfe. Die Waffen waren eben so schlechtbeschaffen, hier fehlte das Bayonnet, dort der Ladstock.Wo sie hinkamen, suchten sie das Volk mit schönenWorten zu bethören, überall ward verkündet: Les paisconquis entre Meuse et Rhin, Liberté, Egalité, Fraternité.Tod den Tyrannen, Heil den Hütten, Krieg den Palästen.Wir geben euch die Freiheit. Glückliches Land.Mit welchen Augen man die Franzosen zu Anfang be-trachtete, darüber gibt uns das Tagebuch des Willicher VikarsCamps Aufschluß.„Der Franzos war nit so bös, alsman glaubte, gütiger als der Teutsche. Mit Schmeichelnbekömmt er Alles, mit Schläg der Teutsche. Im Quartierhöflich, wenn man ihm höflich begegnet. Der Teutsche bleibtbarbarisch. Der Gottesdienst nit gestört, die Felder verschont.Doch bald fährt der gute Vikar in einem andern Tonefort: „Der Franzos hatte nichts, nur Assignaten, Requisitionwar das Wort, so ihm Alles gab.“ Am 26. Nov. schreibtderselbe Vikar: „Dreizehn Tage hatte das Plündern gedauert.In Neersen hatten die Ackersleute ihre Pferde in dem frühernOrangeriehause, damals als Heuboden benutzt, hinter demCölestinerinnen, jetzt die Augevklinik.Ennen, Frankreich und der Niederrhein.Bayertz, Pfarre Willich.