Druckschrift 
Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

Außer der Viehzucht und dem Ackerbau beschäftigte auchdie Jagd unsere Vorfahren. Die Wälder mit ihren riesigenEichen und Buchen, untersetzt mit Gesträuch, boten zahlreichenwilden Thieren Obdach. Hier galt es nicht nur, durch Er-legung des Wildes theilweise für den Lebensunterhalt zusorgen; nicht nur hatte man Jagd zu machen auf Hirscheund Rehe, auch gegen minder harmlose Thiere, gegen denUr, Eber und Wolf hatte man zu kämpfen. Wie reich anWild die hiesige Gegend in ältester Zeit war, läßt sich eini-germaßen daraus folgern, daß noch in der Mitte des vorigenJahrhunderts z. B. zu Ossum ein Hirsch erschlagen wurde,welcher in einem Garten weidete; derselbe wurde, weil manfürchtete wegen Jagdfrevel schwere Strafe zu erleiden, in derErde verscharrt. Unser Gewährsmann erzählte uns ferner,daß sein Großvater, welcher 1746 geboren war, einst imWinter sieben Wölfe der Reihe nach durch den Schnee ausdem Fischelner Felde in die Osterather Büsche laufen sah.Häufig wurden die Kettenhunde durch Wölfe von den Höfengeholt. Wildschweine gab es in solcher Menge, daß dieLaubsammler häufig junge Schweine mit nach Hause brachtenVon den Feldfrüchten mußten die Wildschweine bei Nachtzeitdurch Klappern und Rasseln verscheucht werden. „Am Kirch-weihfeste des Domes (in Köln) mußte der Hofbauer vonWillich nebst einer Kuh auch ein Wildschwein liefern.“ (La-comblet, Archiv II. I. S. 36.) Ueber Wolfsjagden findetsich manche Notiz in den Buschrechnungen. Auch der Ur-(Auerochs), dieses größte Säugethier Europa's, der Wisentder alten Deutschen, welcher früher eine Länge von 13 undeine Höhe von 7 Fuß hatte, findet sich noch in Urkundenbis zum 10. Jahrhundert als in unserer Gegend vorhanden.Unsere Gegend war von dem Volksstamm der Menapierbewohnt, als in den sechsziger Jahren vor Christus der rö-mische Heerführer Julius Caesar am Unterrhein erschienNach den Aufzeichnungen dieses Feldherrn hatten damals dieBewohner schon Aecker, Gebäude und Dörfer, die er verwüstenund in Brand stecken ließ. Durch Caesar's Eroberungengelangte unsere Heimath unter das drückende Joch der Rö-merherrschaft. Die Eroberer legten auf unserer Rheinseiteviele feste Castelle an, z. B. bei Kanten, Kessel an der Maas,Gellep bei Uerdingen, Neuß u. s. w. Von diesen aus wurde