erkennen geben, daß sie gerne miteinander um-gehn, und ſich allerlei kleine Gefälligkeiten undDienste gerne leisten, sind gute Freunde. Abernur diejenige sind Freunde, die dem unter ih-nen errichteten heiligen Bunde getreu, einanderalles sind, und alles zu Liebe thun, was sie ein-ander im Drange der Umstände seyn, und zuLiebe thun können. Wenn ich jemand meinenguten Freund nenne: so sagt das nicht vielmehr, als, daß ich ihn nicht hasse. Aber derTitel Freund ist der erhabenste und ehrenvollesteTitel, den mein Herz einem Sterblichen gebenkann. Denn ausser der Religion und Tugend istFreundschaft das Heiligste auf Erden, und einMensch kann dem andern, ja, der Gatte kannſeiner Gattinn nichts Größeres und Wichtigeresseyn, als — Freund.Es giebt eine Verlobung der Freundschaft,wie es eine Verlobung der Liebe giebt. Der In-halt des wechselseitigen Gelübdes ist folgender:„Ich will dir Freund ſeyn, das heißt: ich„will an deinem Wohl und Wehe jederzeit den„herzlichsten Antheil nehmen; ich will jede Ver-„an-
Druckschrift
Denkmal aufgerichtet über den Gräbern meiner Frühverklärten : eine Schrift für gefühlvolle, theilnehmende Seelen
Seite
96
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten