Druckschrift 
[1] (1795)
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

—164Der Busen schwoll von Durst nach edlen Tugend-thaten,Von hohem, jugendlichem Muth,Und heißen Wünschen, die ein weises Herz verrathen.Heil uns, o Freund! wir waren gut.Doch warum klopft mein Herz? Woher diesbange Regen?Woher dies ängstliche GewühlVon Unmuth in der Bruſt? Wie, war mein Lobverwegen?War jenes wonnige GefühlFür mich zu kostbar? Wie, verfolgt mich einVerbrechen,Und ist mein Herz nicht gut, nicht rein?O Gott! wie kann der Menſch, voll Fehler,voller Schwächen,So stolz auf seine Tugend seyn?Der Jüngling weihte zwar der Weisheit seineJugend,Er glühte zwar für seine Pflicht;Doch nur zu oft erlag im heißen Kampf der TugendDer Streiter, ach! und siegte nicht..Wir