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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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2. Der Gesangunterricht.

bereitet für eine künftige Teilnahme an kirchlichen und Volks-Gesängen vor.« (Hecht.)

Die Anwendung der Ziffern als Surrogat für die »Uni-versalschrift« der Noten wird glücklicherweise eine immerseltenere. Es genüge, aus den mancherlei Gründen, die gegendieselbe sprechen, nur die zwei wichtigsten herauszuheben.Sie lauten: 1. Das Ziffernsystem ist viel weniger anschaulichals das Notensystem, und 2. Es findet sonst in der Musiknirgends eine praktische Verwertung, führt also nicht in dieseKunst ein.

Zum Richtigsingen gehört ferner die richtige Ton-bildung und das richtige Tonhalten. Die Lunge gibt dienötige Luft her, der Kehlkopf erzeugt den Ton, und die übrigenSprachorgane helfen ihn richtig gestalten. 1 ) Durch ein un-richtiges Zusammenziehen oder durch ein unstetes Hin- undHerbewegen der Zunge entstehen Kehl- und Gaumentöne,die heiser klingen, und durch Zusammenbeifsen der ZähneNasentöne; alle diese falschen Töne sind gleich im Anfang zukorrigieren und können am leichtesten dadurch beseitigt werden,dafs man stets auf ein gehöriges Offnen des Mundes dringt.Aber auch die richtige Tonhaltung ist anzustreben. Thutes doch dem musikalischen Ohre zu wehe, wenn ein Lied inC angefangen und (vielleicht selbst bei wenigen Strophen) bisnach As herabgezogen wird. Dem Detonieren tritt man am bestenentgegen durch das Bestehen auf reinen (nicht schwebenden)Intervallen und ferner dadurch, dafs man nur solche Liedersingen läfst, die sich ganz und gar für den Stimmumfangder Schüler eignen. Auch durch das Verpönen jedes rohenund schreienden Gesanges und durch das Sichhüten vor zulangsamem und schleppendem Singen wird der Reinheit desGesanges viel gedient. Das beste Mittel aber zur Bildung desGehörs und damit auch zur Erreichung einer reinen Intona-tion sowohl wie zu der des Tonhaltens ist die täglicheÜbung im Singen, und deshalb stellen wir die dringendeForderung auf, dafs jeden Tag gesungen werde. Wirdtäglich 10 Minutenlang fleifsig gesungen, so hat das weitaus

*) Garcia (ein berühmter italienischer Gesanglehrer) vergleicht dieStimmbänder mit den Saiten, die Lunge mit dem Bogen, Gaumen undMund mit dem Resonanzboden einer Violine.