88 A. U. Von der Methode des Unterrichts.
Bewegung zu setzen, zu schärfen und zu bilden, als die Katechese.«Fr. M. Vierthaler in seiner heute noch lesenswerten Schrift:»Geist der Sokratik« 1793; G. Fr. Dinter in seinen »VorzüglichstenRegeln der Katechetik«; Chr. G. Scholz in der »Anleitung zurFragebildung«, welche Schrift unter dem Titel »Die Frage imUnterricht« in 3. Auflage von A. Reinstein gänzlich umgearbeitet1874 in Leipzig erschien. Auch Diesterweg war ein Verteidigerder fragend-entwickelnden Lehrform; er nannte sie die »Kroneder Lehrgeschicklichkeit.«
c) Die Schwierigkeit der erotematischen Lehrformist keine geringe. 1. Das Finden der Frage überhaupt, richtigesFragen, sachgemäfses Beurteilen der Antworten, geschickteBenutzung der richtigen oder auch nur teilweise richtigen Ant-worten zu neuen Fragen erfordert die unausgesetzte Thätig-keit und die gröfste Geistesgegenwart des Lehrers. Da2. die Antworten der Schüler vielfach auf Abwege führen unddabei leicht der Faden des Unterrichts verloren geht, so isteine streng logische Gliederung und eine den psychologischenGrundsätzen entsprechende Anordnung des Stoffes, sowieeine sorgfältige Vorbereitung für jeden Lehrer ganzunerläi'slich.
Besonders Seminaristen und angehende Lehrer müssensich der Fragekunst ernstlich befieifsen, selbst wenn sie sichmit gutem Lehrgeschick ausgerüstet glauben. Aber das Seminarmufs auch eine gute Anleitung zum Frageunterricht geben.»Wie es«, sagt Kehr in seiner »Praxis der Volksschule«, »imSeminarunterricht das erste ist, dafs die Seminaristen in allenUnterrichtsfächern und von allen Seminarlehrern angehalten werden,sich einer exakten, klaren Sprache und eines guten, fliefsendenVortrages zu befleifsigen (vielfaches Repetieren, freies Vortragen,Deklamieren u. s. w.), so mufs das zweite eine entsprechende An-leitung zur Fragebildung sein.«
II. Das Besondere.
Die beiden Hauptteile der erotematischen Lehrform sindFrage und Antwort.
§ 28.Die Frage.Bei einer näheren Besprechung der Frage wird von demWesen derselben, ihren Arten und Eigenschaften, sowievon der Frageverteilung die Rede sein müssen.