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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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A. U. Von der Methode des Unterrichts.

Diese drei Arten der erotematischen Lehrform treten aberselten rein, sondern einander ergänzend auf, so dafs bei der Ent-wicklung die exarninatorische, bei der Prüfung die katechetischeFrage nicht ganz ausgeschlossen ist.

Weil der Schüler, ehe er eine Antwort ausspricht, diese docherst gefunden haben mufs, so ist die fragende Lehrform mit der»heuristischen« verwandt; denn jede Frage ist eine Aufgabe.

Sie heilst sokratiseh (dialogisch), wenn der Lehrer denSchüler im Zwiegespräch zur selbständigen Erforschungder Wahrheit veranlafst.

Sokratiseh heilst sie, weil Sokrates dieselbe bei seinemUnterrichte (Mäeutik = Hebammenkunst) anwandte. Er ging dabeivon konkreten Fällen aus, verglich das Einzelne unter sich, unter-schied das Wesentliche der Dinge von dem Zufälligen und brachtedamit allgemeine Wahrheiten ins Bewufstsein des Schülers. Erbelehrte aber nicht Schulkinder, sondern Jünglinge und Männer imUmgange über philosophische, religiöse, staatsmännische Fragen etc.Weil hiebei auch der Schüler fragen, Einwände machen,Urteile fällen, schlielsen kann etc., also mehr eine freie Unterredungstattfindet, so nennt man diese Lehrform die dialogische (Lehr-gespräch). Da dies die Bildung und Reife der Volksschüler viel-fach übersteigt, so ist für das eigentliche Sokratisieren kein Platzin der Volksschule.

b) Wert und Wichtigkeit der fragenden Lehrform er-hellen sofort, wenn man erwägt, dai's sie ebenso natürlichals unentbehrlich ist und als notwendige Ergänzung dermitteilenden Unterrichtsformen viele Vorteile bietet. Sie istnatürlich, weil der Wechselverkehr zwischen Lehrer undSchüler in Frage und Antwort gerade so zum natürlichenAusdruck gelangt, als bei den ersten Unterrichtsversuchen (inder Mutterschule) des Hauses. Sie ist aber auch unent-behrlich, weil der Lehrer ohne sie den Wissenskreis desSchülers, an den er anknüpfen ,mufs, nicht sondierenkönnte. Dies schliefst schon einen der Vorteile ein, derendie fragende Lehrform noch folgende gewährt: 1. Die auchfür den Fortgang des Unterrichts nötige Bekanntschaftmit den individuellen Bedürfnissen und Fehlern desSchülers, welche der Lehrer dann erst zu berücksichtigenund zu berichtigen imstande ist. 2. Die Herbeiziehung zurvollen und beständigen Mitthätigkeit beim Unterrichte,