255ich möchte fast sagen — der Wuth zu lesen, undſich durch vieles Leſen das Anſehen eines aufge-klärten und gebildeten Menschen zu geben. DieEitelkeit iſt die Mutter derſelben. Der geſundeVerstand sagt, daß man nur das, was man ver-stehet, lesen, und dabey noch mehr denken alslesen müsse. Es ist rühmlich, ich gestehe es, sichdurch das Lesen von nützlichen Schriften zu un-terrichten, so wie es auch Lob verdient, dieStunden der Erhohlung mit bloß angenehmen,den Geist und die Einbildungskraft ergözendenSchriften zu verbringen. Aber es ist auch sehrschädlich, verkehrt unterrichtet zu werden, undsehr thöricht, und strafbar sich ohne Noth in die-fe Gefahr zu begeben. Niemand wird euch ra-then, mit allen Menschen ohne. Unterschied Ver-bindung und Umgang zu halten, weil böseGesellschaften die guten Sitten ver-derben. Wie könnte man denn, ohne euerVerderben von einer andern Seite zu wollen,euch alle Bücher ohne Auswahl zu lesen erlauben,da ja irrige oder böſe Grundſätze nochweit sicherer und schneller die Un-schuld und Tugend vertilgen? Wereuer Freund nicht ist, und es doch scheinen will,der wird euch hier, die nur auf andere Fälle pas-sende Lehre zurufen: Prüfet alles unddas Gute behaltet. Wer es aber wahr-haft wohl mit euch und eurer Tugend und Glück-selig-
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