Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
363
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DB. Nr. 947—948. 363

947. unbekannter Maler, welcher um 1524 gearbeitet hat. Erscheint zur Classe der Miniatoren zu gehören , und lebte viel-leicht in Nürnberg. Sein Zeichen findet man auf dem auf Per-gament gemalten Wappenbrief des Kupferstechers Daniel Hopfer vonAugsburg. Dieser Künstler besass zwei Wappenbriefe, welche sichbis auf unsere Zeit erhalten haben. K. Waigel zeigt im KnnstkatalogNo. 18,944 das reiche Werk der Hopfer an, und zwar in ganz altenAbdrücken , welche in zwei grossen JSiindou gebunden sind. Diesemkostbaren Exemplare sind auch die Wappenbriefe beigefügt. DieWappCn sind In Miniatur auf Pergament gemalt, in einer architekto-nischen Einfassung von Engeln, Satyrköpfon u. s. w. Der eine dieserBriefe ist mit dem obigen Monogramme verschen , welches sich nurauf den Maler beziehen kann. Das Wappen verlieh Kaiser Carl V.,und der Erzherzog Ferdinand hat in Abwesenheit desselben zu Nürn-berg den 28. Jänner 1524 den Brief unterzeichnet. Man könnte alsoannehmen, dass der Meister I) II oder I) II II in Nürnberg gelebt habe.11. Waigel gab seinem Catalogo beide Wappen verkleinert in Holz-schnitt bei. Als Wappenfigur ist ein Mann mit dem Hopfensträusschenbeigefügt, das figürliche Zeichen auf den Kupferstichen der Hopferscheint aber dem Colonialzeichen des Augsburger Stadtwappens, dems. g. l'irs, nachgebildet zu seyn. Das Wappen des Daniel Hopfer istein doppelt sprechendes. Der Mann im Schilde und auf dem Helmeist in hüpfender Stellung, indem er den einen rückwärts erhobenenFuss mit der Hand fasst. Der Wappenhcrold hat sich daher denKünstler als Hupfer und Hopfer gedacht. Von einer Erhebung indemAdelstand ist keine Rede. Als Grund zur Verleihung des Wappensist Hopfer's Ehrbarkeit, Redlichkeit, gute Sitte, Tugend und Vernunftangegeben.

948. Domenico del Barbiere dürfte nach Frenzel der Träger

-r"?r) dieses |Zeichens seyn. Der genannte Schriftsteller beschreibtajO im Catalog Sternberg I. No. 3183 vier sehr geistreich radirleLandschaften nach Francesco Primaticcio, kl. qu. 8. Sie sind folgen-den Inhalts:

Nymphen, welche um einen Baum tanzen.

Ceres, welche ihrer Tocliter erscheint.

Männer, welche einen Baum umhauen.

Eine Frau, wie sie das Netz in's Wasser wirft.

Frenzel sagt, auf oinem dieser seltenen Blätter stehe dasschwer zu lesende Monogramm des Künstlers, und man darf daherkein genaues Facsimile erwarten. Bartsch 1'. gr. XVI. p. 35C be-schreibt neun Blätter von 1). del Barbiere, oder Demenico Fiorentino,kennt aber keine der erwähnten Landschaften, Den von Bartsch be-schriebenen Stichen fügt Ileineckc zwei Platter hinzu, eines derselben,den Leichnam des Herrn vorstellend, weist aber Bartsch zurück, daer das von Heiaecke erwähnte, aus den verschlungenen Buchstaben I) Bbestehende Monogramm auf dem Blatte nicht anerkennt. Nach derBehauptung des Verfassers des Peintre - graveur hatte Hcinccke dasExemplar in der k. k. Sammlung zu Wien vor sich, auf diesem istaber das Monogramm mit der Feder eingeschrieben. Ol) in obigerForm, ist uns unbekannt. Uebrigens glauben wir aber auch nicht,dass die von Frenzel beschriebenen Blätter von Domenico Barbiereherrühren. Die Blätter dieses Meisters sind fast ganz mit dem Stichelausgeführt, und nicht zart radirt. Domenico Fiorentino war Schülerdes Rosso Rossi, welcher 1530 nach Frankreich kam. Primaticcio