226 KGH —KH. Nr. 791-792.
In der Leipziger illustrirten Zeitung 1854 sind ebenfalls zwei Holz-schnitte mit ähnlichen Buchstaben. Sie beziehen sich auf das Künstler-Maifest in München. Das erste Blatt stellt das Maiglöckchen vor, daszweite einen Jüngling in altdeutscher Tracht, welcher die Maizeichenvertheilt. Die Zeichnung ist wohl nicht von Girardet.
791. Unbekannter Kupferstecher, welcher um 1590 in Deutsch-land thätig war. Er variirte mit seinem Zeichen, denner ist auch jener Monogrammist, den wir I. No. 1922mit zwei satyrischen Blättern kennen lernen, welche
radirt sind, und obwohl von geringem Kunstwerthe, doch einen inter-essanten Beitrag zur Sittengeschichte der Zeit geben. Das Blatt mitdem gegebenen Zeichen stellt einen abenteuerlich gekleideten Mannmit weit ausgespreitzten Beinen in einer Landschaft vor. Er trägteine Vogel-Leimruthe über der Achsel, auf den Sprossen zwei Affen,und zwei Vögel haben sich gefangen. Um seinen Kopf fliegen phan-tastische Insekten, und um den Leib gehen zwei Reihen von Hasenbis auf die Schenkel herab. In der rechten Hand hält er eine Krücke,an welcher die Eule flattert, und unter seinen Füssen setzt der Hundauf eine grosse Pflanze. Ein Narr und zwei Hasen tragen ähnlicheStangen. Ueber dem Schlosse auf dem Berge in der Ferne steht:die hasenburnk. Unten im Rande liest man : Sich Lieber Sich. Wiebeissen sie Mich \ die kleinen vndt auch die grossen \ Die MuckenNarren vnd äffen etc. Im oberen Rande ist die Schrift: HOLA.WOHER. MIT. DER LEINSCHTANGEN. ICH. MEINT. DV. WOLST.AVCH. FÜG EL. FANGEN., fol. Das eine der I. No. 1922 erwähntenBlätter stellt eine reichgekleidete Dame mit ihren Buhlen im Zimmer,das andere zwei junge Mädchen im Taubenschlage vor, wie sie jungeCavaliere fischen.
792. Hans von Kalmbach soll nach der gewöhnlichen Annahmesich dieses Zeichens bedient haben. Wirhaben es unter HK III. No. 1152 mit einemanderen Monogramme zusammengestellt, wel-ches mit viel grösserer Wahrscheinlichkeit
-r r-r dem kaiserlichen Hofmaler Hans Knoderer
uC— I j r"|A angehört, und dabei die Vcrmuthung aus-
J.\.l XD XU • gedrückt, dass dieser Knoderer auch durch
die gegebenen Monogramme seinen Namen angedeutet habe. Alleinzur Evidenz kann es nicht erhoben werden, wenn aber durch den Ar-tikel III. No. 1152 wirklich etwas gewonnen ist, so sind es die Nach-richten über jenen Hans Knoderer, den bisher fast unbekannten Hof-maler des Kaisers Maximilian I. Für Hans von Kulmbach können wiraber nicht stimmen, indem auf einem seiner Hauptwerke das Mono-gramm HC III. No. 751 vorkommt, und das Gemälde mit dem zweitenZeichen von 1510 nicht an die Kunstweise des A. Dürer erinnert,während Hans von Kulmbach thoils nach Zeichnungen dieses Meistersmalte, und auch in eigenen Compositionen als Nachahmer Dürcr's sichkund gibt. Das Gemälde mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1510stellt die Geburt Christi auf Holz vor, und befindet sich im Besitzedes Herrn von Osthorn in Klagenfurt. Letzterer erkannte es nicht fürein Werk des Hans von Kalmbach, sondern wollte es eher dem HansKnoderer ruschreiben, welcher 1520 in Augsburg das Bürgerrecht auf-gab, und vielleicht nach Wien sich gewandt hatte, da er den Räthcnund Gcschichtschreibern des Kaisers wohl bekannt war. Herr v. Vintlerin Bruneck in Tyrol besitzt ein leider sehr beschädigtes Votivbild derJöchlischon Familie, aus welchem man aber dennoch auf den Maler der
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