Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
211
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A. DÜRER. Nr. 350. 211

Weigert interessante Abhandlung in Dr. Naumann's Archiv sich auchüber ander« altdeutsche Holzschnitt -Alphabete verbreite, und dass Du-rer's Buchstaben 0 und Q darin als Kopien sieh beiluden.

Nach der Ansicht des kunstverständigen Börner kann man mitSicherheit annelunen, dass die unten näher beschriebenen Initialen hin-sichtlich der Kruppirung und Zeichnung' der Figuren von A. Dürerherrühren. Ja einige liticlislaben sind so sicher und meisterhaft ge-schnitten, und in diesen namentlich die Köpfe der Kinder so schön,UM nur der Meister selbst dieses in die i.ineamento legen konnte.Vergleicht man die Buchstaben mit jenen lateinischen Versalien, zuderen Konstruktion Dürer in seiner Vnderweysitng der Messung mit demXirke.l vnd riclitschcyl, Anleitung gegeben hat, so findet man derenStruktur mit den Regeln ganz übereinkommend. Nur ßundO weichendavon ab, da diese Ruchstaben in der Unterweisung schmal, in diesemAlphabete aber breit erscheinen, wodurch der Symmetrie die Eleganzgeopfert wurde. Die Ausführung auf Holz verräth nicht durchausgleiche Hand, wenn auch der Schnitt im Allgemeinen vollkommen ist.Hr. Börner, welcher dieses Alphabet zur Zeit, als es der Kupferstecher'leuiler besn.ss, genau geprüft hatte, fand nämlich, dass in einigenBlättern die Zeichnung unter den Händen des Formschneiders, welcherin den Ornamenten besser, als im tigürlichen fache gewesen zu seynscheint, bisweilen gelitten hat, und dass namentlich in den Köpfen derKinder die Physiognomie zum Theil hässlich geworden ist. Römer er-klärt diess aus dem [Jmstande, dass Dürer vielleicht seine. Ideen mehrin skizzirten, als in sorgfältig ausgeführten Zeichnungen dem Form-schneider mitgetheilt habe, weichet demnach der Aufgabe, das Ange-deutete mit Gefühl und Correktheit im Schnitte auszuführen, nicht ge-wachsen war. Die Facsiniilcs in R. Weigel's Kormschnittwerk tragenaber entschieden das (lepi'äge Dürer'scher Arbeit. Man könnte jedochauch wieder einwenden, dass dem A. Dürer ohnehin schon mehr zuge-schrieben worden ist, als ihm angehört, und dass bei dem gänzlichenSchweigen von einem solchen Alphabete auch ein anderer KünstlerAehnliches hätte leisten können; allein wer würde es gewagt haben,im .fahre 1521 ein fremdes Produkt mit Dürer's .Monogramm zu ver-sehen V (Das Zeichen ist jenes, welches wir oben S. 175 No. 10 ge-geben haben.) Wenn auch andere Rlätter, welche vielleicht nicht vonDürer herrühren, dessen Monogramm tragen, so beweist diess nichtsgegen uns, da auf solchen Blättern das Zeichen erst nach dem Todedes Meisters mit Stampilen beigesetzt wurde. Marc Anton macht eineAusnahme, indem er seine Kopien mit Dürer's Monogramm bezeichnete.

Nach Römer dürften diese Buchstaben nicht unmittelbar zum Ruch-druck bestimmt gewesen, sondern deren mehr oder weniger zusammensuf Einem Holzstock geschnitten worden seyn. Wenigstens standen dieRuchstaben Q und It auf einer Platte neben einander, denn der Schweif,oder Schnörkel, welcher das Q vom O unterscheidet, erstreckt sich beidiesem Buchstaben über das viereckige Feld, in welchem der Buchstabe

Steht, ziemlich nach rechts hinaus, und dessen spitzig zulaufendes Endereicht in das Quadrat des /,' hinein. Wären diese Buchstaben zur An-wendung beim Bücherdrueke geschnitten worden , so müsste jeder der-selben auf einem besonderen Stocke stehen. In grösserer oder kleinererAnzahl, auf grossere oder kleinere Stöcke geschnitten, auf einem oder■Hehrere Bogen abgedruckt, dienten sie wahrscheinlich als Muster fürOffizinen und Formschneider, zur Anleitung zum Schönschreiben, wie"Jan deren von Neudörffer und anderen Kalligraphen besitzt. Es findens j^h in späteren Druckwerken auch wirklich Abdrücke von den Original-Stöcken und Abklatsche. Die Initialen A, 0, P, T sind in den