30.WER HAT DIE NIEREN GEGESSEN?
DER HERRGOTT SCHLOSS SICH EINMAL EINEMSpielmann als Gefell an. Und es kam ein Tag, wo eine Hochzeit aus*gerufen wurde und ebenfo der Tod eines reichen Mannes. Da fagte der SpieUmann: »Ich will zur Hochzeit gehen, und du gehe zu dem Toten.« Der Herr*gott ging zu dem Toten, und er erweckte ihn/ und damit gewann er hundertGoldftücke. Der Spielmann ging zu der Hochzeit und aß fich fatt/ als er dannheimkam, fand er feinen Gefellen, der einen Lohn gewonnen hatte, und daroblobte und ehrte er ihn. Da der aber noch nüchtern war, fo ging der Spielmann,nachdem er fich hatte Geld geben laffen, und kaufte ein feiftes Böcklein, und erbriet es/ und unterm Braten nahm er die Nieren heraus und aß fie. Als dannfein Gefell das Böcklein vor fich hatte, fragte er um die Nieren, und der Spiel-mann fagte: »In diefem Lande haben fie keine Nieren.«
Nun gefchah es ein andermal, daß zugleich mit einer Hochzeit der Todeines reichen Mannes ausgerufen wurde, und da fagte der Herrgott: »Heutewill ich zu der Hochzeit gehen, und du gehft zu dem Toten ,■ du wirft ihn erwecken,und wie du das machen follft, werde ich dir fagen: Zeichne ihn mit dem Kreuzeund befiehl ihm, daß er aufftehe, und er wird aufftehen, aber laß dir vorherdas Verfprechen geben.« Der Spielmann fagte: »Gut, ich will es tun.« DerTote war aber der Sohn eines großen Herrn, und diefer wurde zornig, als erfah, daß der Spielmann feinen Spott trieb,- und er befahl, ihn am Hälfe zuhenken.
Als das der Herrgott erfuhr, ging er in die Stadt und zu dem Verurteiltenund fagte zu ihm: »Fürchte nichts, ich will ihn erwecken , aber fag mir auf deinGewiffen: Wer hat denn die Nieren des Böckleins gegelfen?« Der Spielmannantwortete: »Bei diefem heiligen Reiche, mein Gefell, wohin idi gehen foll, ichhab fie nicht gegeffen.« Der Hergott, der fah, daß er ihn nicht zu einem Geftändniszu bringen vermochte, bekam Mitleid mit ihm: er ging hin und erweckte denToten, und fo wurde der andere frei und erhielt, was ihm verfprochen gewefenwar. Und als er heimkam, fagte der Herrgott zu ihm: »Gefell, ich will michvon dirtrennen, weil ich dich nicht fo treu erfunden habe, wie ich geglaubt hätte.«Da der Spielmann fah, daß es nicht anders fein konnte, fagte er: »Meinetwegen,-
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