Kunft gezeigt hatten, Tagte der alte Ritter, fein Sohn habe ihm gefagt, daß fieum einer Frage willen wanderten und daß fie niemand gefunden hätten, derfie ihnen hätte löfen können, und fie follten ihm die Frage fagen, und er werdeihnen feine Meinung fagen. Nun fagte Saladin, der einen Spielmann vorftellte,die Frage fei die: »Was ift das Bette, das der Menfch in fich haben kann unddas Mutter und Haupt aller Tugenden ift?«
Der alte Ritter verftand nicht nur die Frage fehr wohl, fondern erkannteauch an der Stimme, daß der Mann, der gefprochen hatte, Saladin war,- denner hatte lange Zeit an feinem Hofe gelebt und viel Gutes und viele Gnadenvon ihm empfangen. Und fo fagte er: »Freurfd, fürs erfte antworte ich Euch,daß wahrhaftig bis zum heutigen Tage nodi nie fahrende Spielleute Euersgleichenin meinem Haufe gewefen find,- und wiffet, daß ich, wenn ich rechtens handelnwollte, bekennen follte, wieviel Gutes mir von Euch geworden ift, aber vonalledem will ich, bis ich mit Euch insgeheim fprechen kann, nichts mehr fagen,damit niemand etwas von Euern Angelegenheiten erfahre; Was aber EuereFrage angeht, fo fage ich Euch: Das Befte, das der Menfch in fich haben kannund das Mutter und Haupt aller Tugenden ift, das ift die Scham,- denn ausScham leidet der Menfch den Tod, der doch das allerfchlimmfte ift, und ausScham fteht er von allem ab, wie fehr er es auch begehrt;; wenn es ihn nichtgut dünkt: und fo ift die Scham Anfang und Haupt aller Tugenden und Scham*lofigkeit der Urfprung aller Miffetaten.« Und Saladin erkannte, daß es inWahrheit fo fei, wie der Ritter fagte, und da er die Antwort«auf feine Fragegefunden hatte, freute er fich fehr Qnd beurlaubte fich von dem alten und demjungen Ritter, deren Gäfte fie gewefen waren. Vor dem (Scheiden aus jenemSchlöffe aber fpradi noch der alte Ritter mit ihm und fagtte ihm, wie er erkannthabe, daß er Saladin fei, der ihm einft fo viel Gutes getan, und er und feinSohn dienten ihm fo trefflich, wie fie nur vermochten, freilich mit allem Bedacht,daß er nicht erkannt werden wollte.
Und mit der größten Eile trat Saladin den Rückweg an, und als er daheimangelangt war, gab es großen Jubel und viele Feftlichkeiten. Und als die Feftebeendet waren, machte fich Saladin auf zu der guten Frau, die jene Frage geftellthatte, und fie empfing ihn trefflich, und bezeugte ihm ihre Sorgfalt nach beftenKräften. Und nach dem Speifen ging er in fein Gemach und befchied die guteFrau zu fich, und fie kam, und er fagte, wieviel Mühe es ihm gekoftet habe,eine durchaus genügende Antwort auf ihre Frage zu finden, und daß er fiegefunden habe, und fie folle, da er ihr, wie er verfprochen habe, die Antwortbringe, nun auch halten, was fie verfprochen habe. Und fie fagte, fie erbitte alsGnade, daß er halte, was er verfprochen habe, und die Antwort auf ihre Frage
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