ein Wunder außerhalb der durch die Religion und die Legende gezogenenGrenzen nicht zugeben kann, fdiuldig zu fein, die Wiedergewinnung des Augen-lichts auf rationaliftilche Weife zu erklären, und ebenfo hat fein um drei Jahr-hunderte älterer Kollege, der Perfer Nifämi getan — während Pelbart verfichert,durch Gottes Ratfchluß fei die Sehkraft der Augen unverfehrt geblieben, iftbeiNifämi nur die äußere Membran, nidit jedoch auch der Glaskörper verletztworden—, aber foldierlei Einfdialtungen oder Änderungen wird wohl jederin der Märchenliteratur einigermaßen Bewanderte als Verballhornungen er-kennen, die dem Märdien im großen und ganzen wenig Abbruch tun/ rat-fädilich bilden denn auch die FafTungen des fcholaftifdien Franziskaners unddes mohammedanifchen Myftikers frühe Glieder von Märchenketten, die dieandern Züge oder Motive und die Art ihrer Verbindung beibehalten, das Un-echte aber abgeftoßen haben.
Diefes Märchen ift nicht ohne Nebenabficht als Beifpiel gewählt worden:es ift eines von den jetzt noch nicht zahlreichen Märchen, an denen die finnifcheForfchungsmethode nach Antti Aarnes Leitfaden der vergfeichenden Mär'djenforfdmng (fF T Communications, XI11) fozufagen buchftäblich ange-wendet worden ift. Die Ergebnilfe diefer Unterfuchung find nun, wie man fichaus unferer Note zu dem Märchen Pelbarts überzeugen wird, durchaus falfch/felbftverftändlich tragen die Schuld daran zu einem Teile Oberflächlichkeit undLeichtfertigkeit des Unterfuchenden, aber die Hauptschuld liegt wohl an denAnlchauungen, auf denen die Methode fußt. Hier ift es nun leider notwendig,ziemlich weit auszuholen.
Faft in jeder Abhandlung über das Märchen wird dem Lefer der Satz ein-gehämmert, man habe genau zu unrerfcheiden zwifchen Märchen und Märchen-motiv — auch Aarne findet ihn zutreffend {Leitfaden, 14> —, aber daß dieMotive untereinander wefentliche Unterfdiiede aufweifen, die durch ihre Ent-ftehung bedingt find, wird faft durchwegs außer acht gelaflen, und an dieferFeftftellung kann auch die Tatfache nichts ändern, daß hin und wieder eineEinteilung verfucht worden ift. Seit Edward B. Tylor und Andrew Lang be-müht man fich, möglidift viele Märdienmotive auf ihre ethnologifdien Grund-lagen, auf die Anfchauungen und die auf ihnen beruhende Denkweife derPrimitiven zurückzuführen, als da find Vermenfchlichung, ja Vergottung desTiers, des Baums, des Fluffes, Befeelung von Gegenftänden wie des Schiffes,des Schwertes, ja fogar der Himmelskörper und des Leichnams, Realität desTraumes, Glaube an die Exiftenz von guten und böfen Dämonen, an diejetzt fo genannte Zaubermadit einzelner Menlchen, an die jedem zur Ver-fügung ftehenden Kräfte, die an die Kenntnis des Namens eines andern
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