22sich die revolutionäre Bewegung fast lediglich einschränkte,enthielt, mit einer Bevölkerung von ungefähr dreißigtau-send Seelen, alle Gährungsstoffe, welche im übrigen Frank-reich die ersten Bewegungen der Freiheit veranlaßten. Die-se Stadt, berühmt wegen der Schönheit ihrer öffentlichenGebäude, besaß in ihren Mauern zwei oberste Gerichtshöfe,ein adliches Kapitel, ein Bisthum und einen sehr zahl-reichen Stab.Im Jahr 1788 waren die beiden berüchtigten Ediktedaselbst sehr übel aufgenommen worden; die Weigerungdes Parlaments und der Rechenkammer fand um so größe-ren Beifall. Die Zusammenberufung der Reichsstände er-regte lauten Jubel.Die drei Stände vereinigten sich zu Nancy, um ihreAbgeordneten zu ernennen. Jeder Stand arbeitete an sei-nen Cahiers (Heften), welche sie sich Anfangs offen mit-theilten. Aber bald entstand eine Spannung zwischen demdritten Stand und dem Adel. Letzterer hatte durch denGeneral Custine die Anzeige gethan, daß er allen seinenVorrechten entsage. Jetzt schämte er sich nicht, dies zuwiderrufen, und zwar durch den Mund des Parlaments-rathes Bouthellier, der alles anwandte, um zu denReichsständen deputirt zu werden. Doch gelang ihm diesnicht; sein Adel ward für zu jung gehalten. Die Abgeord-neten wurden ausschließend aus den ältesten Familien Lo-thringens genommen.Als der dritte Stand die seinigen ernannte, wählte ersie unter den Rechtsgelehrten, welche im größten Rufestanden. Von dem Augenblick an bis auf den Fall derBastille, ereignete sich in Nancy gar nichts Merkwürdiges;es war dort still, wie allenthalben. Aber der erste Ruf der
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