38danke, dein Mitleiden, doch besser gesagt,dein barbarisches Herz erschüttern? siehst duhier an der Pforte des Klosters jene verhüllteverkappte Frau von Stande, die das Schlacht-opfer einer tyrannischen Armuth ist? hörstdu ihre erbärmliche Sprache, die sie im Ver-trauen zum Geistlichen äußert: es sind schondrei Tage, daß ich kein Brodt im Hause ha-be; erbarmen Sie Sich meiner, sagt sie mitschluchzender Stimme: Verzweiflung undNoth bekaͤmpfen meine Seele! betteln kannich nicht, und auch keine Arbeit hab ich,die ich so gern verschwiegen annehmen wollte.Welcher harte Schritt, welche Selbstüberwin-dung! wie wäre es, wenn dich der Herrund die Deinigen so heimsuchte? und kannstdu dir etwas anders versprechen? oder wirdnicht wenigstens diese Strafe auf deine Nach-kömmlinge fallen, wenn du deine Harther-zigkeit nicht ablegst? siehst du, dort jenenrechtschaffenen Bürger, dessen Vorfahrer sichum den Staat so sehr verdient gemacht, siehstdu, mit welcher Verwirrung er, aus Mangelan Arbeit, daher geht, sein letztes Hausmö-bel zu verkaufen? da indessen der müssige,
Druckschrift
Fünf Predigten zur Empfehlung der neu errichteten allgemeinen Armen-Versorgungsanstalt
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten