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Vier Reden über das Vaterland
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ständiger Tätigkeit hielt: nämlich erstens die unermüdlicheAusschüttung seines Willens und seiner Weisheit in Tausendevon Personen, zweitens die rastlose Werkgestaltung undendlich drittens die Selbstgestaltung, die vorbildliche Schöp-fung seines eigenen Lebens. Der erste und zweite Weg sindIhnen allen bekannt und ich brauche Sie nur an den unermeß-lichen Umfang seines persönlichen und brieflichen Handelnszu erinnern, brauche Sie nur daran zu erinnern, was von denlebendigwirkenden Gestalten seiner Werke, vom Götz undWerther bis zum Wilhelm Meister und Faust in uns allenlebt, Gestalten, die zum ersten Male die ganze Tiefe desdeutschen Wesens durchfuhren und aufrüttelten, die zumersten Male seit Jahrhunderten unserem Volke wieder einegemeinsame Wucht des Fühlens und Schauens gaben, die inZeiten der Not und Wirrnis, wie der erste Faust im Jahre 1808als Wunder erschienen, an denen die erschütterten Menschensich aufrichteten und wieder glauben konnten, daß Deutsch-land noch nicht zum Untergange reif sei, sondern einreicheres, größeres, dauernderes Leben habe als selbst dieehernen Besieger.

Aber bei dem dritten Wege lassen Sie mich noch einen Augen-blick verweilen, weil sich bei seiner Betrachtung die letzteKluft unseres Zwiespalts und Zweifels schließt.Goethe hat selbst als ein wesentliches Merkmal seines Lebensdie Entsagung genannt, er hat den Verzicht auf ein dauerndesBleiben in Rom und die Rückkehr nach Weimar als die größteHandlung seines Lebens bezeichnet, er ist nicht müde ge-worden, in Satz und Vers die Notwendigkeit der Bändigung,des Gesetzes, der Ordnung, ja Einordnung und Beschränkungzu betonen, Selbstzucht und Begrenzung sind seine unerbitt-lichen Forderungen an die Kleinen und Großen, Selbstbeherr-schung ist seine fast bis zur Schroffheit, ja Kälte gesteigerteHaltung nach außen geworden.

Aber wir wissen aus seiner Jugend, aus den seltenen späterenAugenblicken des unbewachten Ausbruchs, aus serner Liebe

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