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Melchior Lechter
Entstehung
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MELCHIOR

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GOETHEUND SEINEFREUNDE"1909

jchaff enden wie den Geniessenden, den gleichen Willen zur Schön-heit des Leibes und der Seele, die gleiche Sehnsucht nach demneuen Leben und eine Vollendung des dichterischen Werkes,die ihn aufs tiefste ergriffen und auf seinem reichen Herde dieFunken zur Flamme fachten, die sich um die besondere Werk-gattung des Buches gesammelt hatten. So entstand im Jahre1897 unter seinen Händen wieder das erste deutsche BuchStefan George: Das Jahr der Seele", dieses köstliche Druck-werk, das unsre Hand durch eine samtene Weichheit gefangenhält, unsern Blick durch das milde Blau und Rot der Initialen, das tiefe Schwarz dervollen Zeilen wie das lebendige Schriftwerk des Dichters fesselt, das sein Vorbild war,und unsern Geist, als sei das Symbol des unter Blumen musizierenden Engels über denschönen Buchstaben der Titelschrift wirklich geworden, mit einem ernsten Ton umfängtund in die Gefilde führt, die es umschliesst. Noch im selben Jahre folgte ihm das ebensoschlichteKarl Wolfskehl: Ulais" mit dem schönen tiefen Sinnbild des Titels; dann 1898im Verlag von Eugen DiederichsMaurice Maeterlinck: Der Schatz der Armen", daszum ersten Male wieder Satz- und Schmuckbild zu einer in sich notwendigen, aus demGeiste des Werkes strömenden Gemeinschaft verschmolz und das der deutschen Buch-kunst den Weg zeigte, auf dem einige Jahre später die bekannten grossen Verlage weiter-schritten. Danach schuf Melchior Lechter im Jahre 1899 das monumentale und noch nichtübertroffene WerkStefan George: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traumund Tod mit einem Vorspiel"; 19001902 die drei Bände derDeutschen Dichtung: JeanPaul, Goethe, Das Jahrhundert Goethes"; 1906 dasGedenkbuch Maximin, herausgegebenvon Stefan George", dessen Titelsymbole von einer solchen Durchgeistigung bei derklarsten sinnlichen Gestaltung sind, dessen Randornamente von einer so reinen Schön-heit sind, dass dieses Buch allein genügen würde, Melchior Lechter unter die erstenZeichner zu rücken (vergl. Abb. S. 14; S. 1617; S. 54 und die Titelseite); 1907 folgtedas herrliche Werk:Stefan George: Der Siebente Ring" (vergl. Abb. S. 2223; S. 40);1908Lothar Treuge: Huldigungen" (vergl. Abb. S. 37); 1909R. M. Meyer: Goetheund seine Freunde" (vergl. Abb. S. 24; S. 27; S. 35; S. 38; S. 44); 1909FriedrichWolters: Herrschaft und Dienst. Opus I der Einhorn-Presse" (vergl. Abb. S. 49; S.5051) und seit 1908 die Bände des grossen Werkes vonFriedrich Gundolf: Shake-speare in deutscher Sprache" (vergl. Abb. S. 1; S. 4647; S. 53). Alle diese Werkewurden in der Buchdruckerei von Otto v. Holten hergestellt, die unter den strengenAnsprüchen des Künstlers ihre Leistungen immer mehr vervollkommnet hat. Denn bisin alle Einzelheiten leitet Melchior Lechter den Druck und die verschiedenen Repro-duktionsverfahren und erlässt weder der Hand noch der Maschine die peinlichsteWiedergabe seiner Vorlagen. Die Einheit des innerlich geschauten Bildes fordert auchdie Einheit des fertigen Werkes; wie jenes lebendig gewachsen ist, so greift auch imvollendeten Buche alles wachstumsmässig ineinander: der Stoff, der Ton, die Liniesind jedesmal in einer Ordnung gebunden und jedesmal durch den besonderenCharakter der Type als den bestimmenden Grundfaktor bedingt; die Rankenformen