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lerischen Befruchtung, der künstlerischen Arbeit, der künstlerischen Gestaltung ist daseinzige wirkliche Erleben jedes Künstlers, vor dem alles andre nur wichtig ist in seinertausendfach möglichen Beziehung zu ihm: alle physischen, geselligen oder geistigen Er-fahrungen, ob in Leid oder Lust, Schmerz oder Freude schmelzen zur stofflichen Speiseim Tiegel des Werkschaffens; denn in diesem liegen Erlebnisse so sonderer Art, dassnur der sie begreift, der um ihrer willen jedes Opfer bringt und bereit ist, unaufhörlichden endlosen Weg von der Sehnsucht zum Erreichten und vom Erreichten zu neuer
Sehnsucht zu gehen. Dader unstillbare Drangnach immer grösserenSchöpfungen den Mass-stab des Erreichten nurbis zum letzten Vollen-dungspunkte eines Wer-kes duldet und aus die-sem selbst den Anspruchnach höherer Leistunggebiert, liegen Qual undFreude in jeder Erwar-tung neuer Gewährung,und Glück und Leid desSchaffenden — um vonder Enttäuschung oderAnerkennung von aus-sen ganz zu schweigen— steigern sich beidemit seinen wachsenderKräften und erzeugen imstillsten Kerne der SeeleGeschicke von schwere-rer Wucht als die derlauten Oberflächen. Jeumfassender der Willeist, um so grösser wer-kannt: die Anfänge seines selbständigen Schaffens fallen in die Jahre, in denen deutscheKünstler, halb unter dem Druck ausländischer Vorbilder, halb aus wirtschaftlicher Lustder Erschliessung neuer Gebiete, glaubten, die „Hebung der deutschen Kultur" bei demPlakat, der Karikatur und der Tapete beginnen zu müssen. Man kennt den Furor dieserBewegung und was sie nicht gehalten hat. Was in die Zukunft deutete, schloss sich stillerzusammen, um desto tiefer zu wirken. Als Melchior Lechter im Jahre 1896 zum erstenMale an die Öffentlichkeit trat, war er unberührt geblieben von dem wilden Gebaren,aber hatte von seinem inneren Zentrum aus auf den neugeforderten Gebieten der Kunst
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MELCHIOR LECHTER: TITELBILD
FÜR DIE GEDICHTE WALTHERS VON
DER VOGELWEIDE IM VERLAGE VON
JULIUS BARD BERLIN 1907
den die Kämpfe; derreine künstlerische Willeaber kennt keine andereBegrenzung als die Ganz-heit des Lebens selbst,und grade darum umfasster auch das Kleine mitderselben Begierde wiedas Grosse, weil er injedem nur die Gestaltungdes Ganzen sieht. Nichtsbezeichnet daher denTiefstand künstlerischerGesittung in Deutschlandvor dreissig Jahren sosehr, als der falscheHochmut der bildendenKünstler, sich nicht mitdem scheinbar Nur-Ge-genständlichen des Le-bens befassen zu wollen,vom Buchstaben bis zumGartenbau, vom Finger-ring bis zur Gebärde desganzen Leibes. MelchiorLechter hat diesen selt-samen Stolz nicht ge-