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Die Sagen des Rheinlandes von Basel bis Rotterdam
Entstehung
Seite
312
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3)2 Haag.

Die Gräfin rief entrüstet: „Fort, unverschämtes Weib,

Mit eitel Schande brüstet sich so dein schnöder Leib.

„Fort, fort, es ist mein Zimmer der Buhlerin zu rein:

Zwei Kinder können nimmer von einem Vater sein."

Da sprach die Schwergekränkte: „So wünsch ich denn fürwahr,Daß Gott euch Kinder schenkte so viel als Tag im Jahr."

Der Wunsch war ausgesprochen: die Gräfin klagte sich,

Bald nahten ihr die Wochen: da ging es wunderlich:

Dreihundert fünf und sechzig der Tage zählt das Jahr,Dreihundert süns und sechzig der Kindlein sie gebar.

Der heiligen Taufe Gaben, lebendig allzumal,

Empfing sogleich der Knaben und Mädchen Ueberzahl.

Elisabeth, den Namen gab man den Töchterlein,

Johannes, den bekamen die Knaben insgemein.

Man zeigt noch heut die Becken, darin sie sind getauft:

Die Mutter hat vor Schrecken die Haare sich gerauft.

Vor Schreck ist sie gestorben; die Kindlein haben auchBald Gottes Reich erworben durch heil'ger Taufe Brauch.

Vom Haag ist es geschehen nicht eine Meile weit,

Ihr möcht das Grab noch sehen, wenn ihr ungläubig seid.

K. Zimrock.