Es kamen jetzt noch mehr Brüder, um in dem Gartenzu lustwandeln. Ehrenberg redete ein Paar Worte leisemit dem Meister vom Stuhl. „Hoffentlich wird das nichtnöthig sein;" begann der laut zu sprechen. „VersuchenSie erst einen mildern Weg." „Das ist geschehen."„Dann handeln Sie, und mit Vergnügen biete ich dieHand, Wenns nöthig ist. Wenn eine Menschenseele inihrer Zartheit geknickt werden soll, so dürfen wirs nichtdulden, selbst Wenns von naher gutmeinender Hand ge-schähe." Beide Brüder gaben sich auf Meisterart dieHand, und zerstreuten sich dann unter die übrigen Brüder.
9. Kapitel.
Die Flucht.
„O Du mein Gott, auch das noch bricht jetzt übermein von tausend Dingen gefoltertes Herz herein!" Mitdiesen Worten stand Reichmann händeringend eines Tagesam Fenster seiner Wohnung.
Seine Clara war verschwunden. Er selbst und seineLeute hatten sie am Abend und in der Nacht gesucht; abervergebens. Er hatte Boten in das nahe Städtchen ge-schickt, aber keiner brachte Nachricht. Welche trüben Bilderstiegen jetzt in der Seele des Vaters auf! „Hat sie sichin die Wellen gestürzt, oder irrt sie halb wahnsinnig inder Einsamkeit umher? Werde ich sie nie wieder sehen,oder als ein Bild des Entsetzens?" Das waren Fragen,die wie finstere Schatten sich um das Herz Reichmannslagerten. Indem er so bekümmert durchs Fenster sah,