Druckschrift 
1 (1778) Patriotische Phantasien
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42 Die Spl'nnsiuke,

V.

Die Spinnstube,

eine Oßnabrückische Geschichte.

^elmde, wir wollen sie nur so nennen, ihr Taufnah-me war sonst Gertraud, war die älteste Tochterredlicher Eltern, und von Jugend auf dazu gewöhne wor-den, das Nöthige und Nützliche allein schön und ange-nehm zn finden. Man erlaubte ihr jedoch, so viel möglich,alles Nokhwcndige in seiner größten Vollkommenheit zuhaben. Ihr Vater, ein Mann von vieler Erfahrung, hat-te sie in Ansehung der Bücher auf ähnliche Grundsätze ein-geschränkt. Die Wissenschaften, sagte er oft, gehörenzum Ueppigen der Seele; und in Haushaltungen oderStaaten, wo man »och mit dem Nothwci digen genug zuthun hat, muß man die Kräfte der Seelen besser nützen.Selmde selbst schien von der Natur nach gleichen Regeln ge-bauet zu seyn, und allesNothwendige in der größten Voll-kommenheit zu besitzen.

Die ganze Haushaltung bestand eben so. Wo dieMutier von einer bessern Art Kühe oder Hüner hörte;da ruhete sie nicht eher, als bis sie daran kam.

Man fand das schönste Gartengewächse nur bey St-unden. Ihre Rüben giengen den märkischen weit vor;und der Bischof hatte keine andre Butter auf seiner Tafel,als die von ihrer Hand gemacht war. Was man von ih-rer Kleidung sehe» konnte, war klares oder dichtes Linnen,ungcstickt und unbesetzt; jedoch so nett von ihr gesäumt, daß

man