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1 (1928) Die Familie Hertmanni
Entstehung
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getauft werden sollte, meinte Bernhard, sein seiner Frau gegebenes Versprechennicht halten zu können. Fritz wurde katholisch getauft.

Das Notariat in Mayen füllte seine Arbeitskraft nicht aus (zumal dieSchreibereien von einem Sekretär besorgt wurden). Bernhard hatte dortviel Zeit, seinen Liebhabereien, wie der Jagd und dergleichen nachzugehen. DieTätigkeit in Mayen sagte ihm aus die Dauer nicht zu, und so griff er imJahre 1865 zu, als er Gelegenheit hatte, das Notariat in Natingen zu be-kommen. Kurz vorher hatte er seine 3 ältesten Iungens Fritz, Richard undKarl, nach Moers auf das evangelische Gymnasium geschickt, was ihm einenBrief der katholischen Geistlichkeit eintrug, daß er sich dadurch aus den Seg-nungen der katholischen Kirche ausgeschlossen hätte. Franz Bernhard hat in denletzten Jahren seines Lebens in Glaubensfragen, veranlaßt auch durch fremdeEingriffe, schwere Kämpfe bestehen müssen. Cr sprach sich darüber aus mit einemkatholischen und nachher mit einem evangelischen Pfarrer. Sein jüngstes Kindließ er evangelisch taufen. Daß er innerlich mit sich nicht einig war, erhellt ausder Tatsache, daß er sich in dem Formular der letzten Volkszählung alsfreikatholisch" bezeichnet«!. So kam es denn, daß, als er am 17. 5. 1868 starb,der katholische Pfarrer sich weigerte, ihn zu beerdigen. Er wurde evangelischbeerdigt.

Seine Witwe zog mit ihren 9 Kindern von Natingen weg, wo nichts sichielt. Sie kehrte am 3. Juli 1868 in das Haus zurück, das ihre Heimat war,zu der lieben Familie Pütz, die ihre Arme weit öffneten, um ihr die alte Heimatvon neuem lieb zu machen. Der Pflegevater Pütz, der schon 10 Jahre langgichtkrank gewesen war, starb nach wenigen Tagen, am 14. 7. 1868. Und nunlebten die beiden Frauen, Tante Pütz und Iulchen in einer einzigartigen Ver-bundenheit für einander und für die 9 Kinder. Es existiert noch einTagebuch, das Tante Pütz geführt hatH, das uns einen geradezu ergreifen-den Blick tun läßt in das wunderbar tiefe har-monische Zusammenleben dieser beiden verwit-weten Frauen, das nie getrübt wurde. Sie haben'snicht immer leicht gehabt, aber sie haben auchbeide gewußt, daß sie an Gottes Hand gingen,auch wenn sie durch die Tiefen des Lebens wan-dern mußten. Gott war ihnen der selbstverständ-liche Begleiter ihres Lebens. So wandelten dieBeiden Hand in Hand, verbunden durch die treuesteLiebe, zusammen noch 17 Jahre, bis Tante Pützgegen Ende 1885 krank wurde. In dieser Leidens-zeit der Krankheit durfte sie es besonders erfahren,wie die Liebe der Hertmannis sie umgab. Da hatsie öfter gesagt: Kinder, mein Herz, mein Herz, diegroße Liebe erdrückt mich fast! Am 20. Jan. 1886wurde sie von ihrem langen Leiden durch den Tod erlöst. Da sie keine Kinderhatte, so erbte ihre Nichte Julie Hertmanni ihr ganzes Vermögen. Sie wohntenoch lange Jahre zusammen mit ihrer Tochter Emmy die anderen warenalle verheiratet in dem schönen Haus am Steintor, in dem alle ihre Kinder

') Im Besitz von Fritz Hertmanni.

Tante Pütz