vorzukommen. Es ist spießige, schundige Welt, woheute die kecken Devisen winken, - die Gegenwelt,unbedingt, zu der der Qualität, des Ranges, derKunst, aus welcher die Wortsymbole stammen, mitdenen wir unser Wollen, unseren Glauben bezeich-nen.
Denn musische Zeichen und Begriffe sind es vorallem, diese beiden, „Maß” und „Wert”: Maß, dasist Ordnung und Licht, die Musik der Schöpfungund dessen, was schöpferisch ist; es ist auch das Er-rungene, dem Chaos Abgewonnene, das Anti-Bar-barische, der Sieg der Form, der Sieg des Menschen.Nicht, daß es das Mäßige wäre, das Mittelmäßigegar. Kunst ist durchaus eine Sphäre der Kühnheit,des Wagnisses, stets geht sie zum Äußersten, nie fehltihr der „Zug von Verwegenheit”, ohne welchen, nachGoethe, „kein Talent denkbar” ist. Das Mittelmäßi-ge perhorresziert sie, wie sie das Triviale, das Abge-schmackte und Niedrige, das ekle Klischee perhorres-ziert; denn sie ist die Qualität selbst, der Anspruch,die Ungenügsamkeit, und ihr „Maß”, das sie in sichträgt, ist auch das Maß, das angelegt wird, es istdas Richtende, die kritische Wage, auf der gewogenzu werden gefährlich ist, denn gar bald ist sie mehrals nur eine Prüferin von Geschmacklichkeiten, sieentscheidet über Werte, die über das Ästhetischeweit hinausgehen, ihm vorangehen und ihm zumGrunde liegen, über den Wert selbst in des Wor-tes substanziellster und fundamentalster Bedeutung:„Heute”, sagt Goethe, der Künstler, „kommt es dar-
124