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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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diesen Zweck; denn ich glaube nicht, dass wirklich die Ab-sicht bestand, ich, der Leser, möchte über das Kernstück desBriefes hinweglesen.

Sehr merkwürdig war mir schon bei zweiter Durchsicht, dassdie Stilgebung, die Travestie oder persönliche Adaption desKumpf'sehen Altdeutsch nur vorhält, bis jenes Abenteuer erzähltist, danach aber achtlos fallengelassen wird, sodass dieSchlussseiten ganz davon entfärbt sind und eine rein modernesprachliche Haltung zeigen. Ist es nicht, als hätte der ar-chaisierende Ton seinen Zweck erfüllt, sobald die Geschichteder Pehlführung auf dem Papier steht, und danach aufgegebenwird, nicht sowohl, weil er für die ablenkenden Schlussbe-trachtungen nicht passt, sondern weil er, vom Datum an, nureingeführt war, um die Geschichte darin erzählen zu können,die dadurch die ihr angemessene Atmosphäre erhält? Und welchedenn? Ich will es aussprechen, so wenig die Bezeichnung, dieich im Sinne habe, auf eine Farce anwendbar scheint. Es istdie religiöse Atmosphäre. Dies war mir klar: wegen seinerhistorischen Affinität zum Religiösen war das Reformations-deutsch für einen Brief gewählt worden, der mir diese Geschich-te bringen sollte. Wie hätte ohne das Spiel mit ihm dasWort hingeschrieben werden können, das doch hingeschriebensein wollte: "Betet für mich!"? Es gab kein besseres Beispielfür das Citat als Deckung, die Parodie als Vorwand. Und kurzdavor steht ein anderes Wort, das mir schon bei erstem Lesenin die Glieder fuhr und ebenfalls nichts mit Humoreske zu tunhat, sondern ein ausgemacht mystisches, also religiöses Ge-präge trägt: das Wort "Lusthölle".

Wenige werden sich durch die Kühlheit der Analyse, derich soeben und damals gleich Adrians Brief unterzog, über diewirklichen Gefühle haben täuschen lassen, mit denen ich ihnwieder und wieder las. Analyse hat notwendig den Anschein derKühle, auch wenn sie im Zustande tiefer Erschütterung geübt

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