die Unmittelbarkeit des Lebens zersetzt. Als Selbstbewusstseinverstärkt sie die Existenz aber auch, und in diesem Sinn*das heisst also in diesem Mass, heisse ich sie gut. Der JÜ»gendgedanke ist ein Vorrecht und Vorzug, unseres Volkes, desdeutschen, - die andern kennen ihn kaum, Jugend als Selbstsinnist ihnen so gut wie unbekannt, sie wundern sich über daswesensbetonte und von den höheren Altersklassen gebildeteGebahren der deutschen Jugend und selbst über ihr unbürgerli-ches Kostüm. Mögen sie nur. Die deutsche Jugend repräsen-tiert, eben als Jugend, den Volksgeist selbst, den deutschenGeist, der jung ist und zukunftsvoll, - unreif, wenn man will,aber was will das besagenl Die deutschen Taten geschahen im-mer aus einer gewissen gewaltigen Unreife, und nicht umsonstsind wir das Volk der Reformation. Die war ein Werk der Un-reife doch auch. Reif war der florentinische Renaissance-Bürger, der vorm Kirchgang zu seiner Frau sagte: "Also, machenwir den populären Irrtum unsere Reverenz!" Aber Luther warunreif genug, Volk genug, deutsches Volk genug, den neuen,gereinigten Glauben zu bringen. Wo bliebe die Welt auch,wenn Reife das letzte 7/ort wäre! Wir werden ihr in unsererUnreife noch manche Erneuerung, manche Revolution bescheren.
Hach diesen Worten Deutschlins schwieg man eine Weile.Offenbar bewegte man im Dunkeln bei sich das Gefühl der per-sönlichen und nationalen Jugendlichkeit, die in ein Pathosverschmolzen. Das Wort von der "gewaltigen Unreife" hattesicher viel Schmeichelhaftes für die Meister.
- Wenn ich nur wüsste, höre ich Adrian, die Pause been-dend, sagen, - wieso wir eigentlich gar so unreif sind, sojung, wie du sagst, ich meine als Volk. Wir sind doch schliess-lich so weither wie die anderen, und vielleicht spiegelt nurunsere Geschichte, dass wir ein bisschen verspätet zusammen-fanden und ein gemeinsames Selbstbewusstsein ausbildeten, unseine besondere Jugendlichkeit vor.
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