Leben überhauptvorhanden gewesen wäre. Sein Orgelspiel wargelehrt und prächtig, aber an den Fingern einer Hand warendiejenigen herzuzählen, die es in der Gemeinde zu würdigenwussten. Immerhin zogen die frei zugänglichen nachmittägli-chen Kirchenkonzerte, bei denen er Orgelmusik von Schütz, Bux-tehude, Proberger und natürlich Sebastian Bach, auch allerleikuriose und genrehafte Kompositionen aus der Epoche zwischenHandels und Haydns Blütezeiten zum Besten gab, eine ziemli-che Menge an, und Adrian und ich wohnten ihnen regelmässigbei. Ein völliger Fehlschlag dagegen, wenigstens äusserlichgesehen, waren die Vorträge, die er im Saal der "Gesellschaftfür gemeinnützige Tätigkeit" eine Saison hindurch unverdros-sen abhielt, und die er mit Erläuterungen am Klavier, dazu mitKreide-Demonstrationen auf der Staffelei-Tafel begleitete.
Ein Misserfolg waren sie erstens, weil unsere Bevölkerungfür Vorträge grundsätzlich nichts übrig hatte, zweitens weilseine Themen auch noch wenig populär, vielmehr kapriziös undausgefallen waren, und drittens, weil sein Stotterleiden dasZuhören zu einer aufregenden und klippenvollen Fahrt machte,beängstigend teils, teils zum Lachen reizend und geeignet, dieAufmerksamkeit von dem geistig Gebotenen völlig abzulenkenund sie in ein ängstlich gespanntes Warten auf das nächstekonvulsivische Pestsitzen zu verwandeln.
Es war ein besonders schwer und exemplarisch ausgebilde-tes Stottern, dem er unterlag, - tragisch, weil er ein Mannvon grossem, drängendem Gedankenreichtum war, der mitteilendenRede leidenschaftlich zugetan. Auch glitt sein Schiffleinstreckenweise geschwind und tänzelnd, mit der unheimlichenLeichtigkeit, die das Leiden verleugnen und in Vergessenheitbringen möchte, auf den Wassern dahin; aber unfehlbar vonZeit zu Zeit, mit Recht von jedermann fortwährend gewärtigt,kam der Augenblick des Auffahrens, und auf die Polter gespannt,mit rot anschwellendem Gesicht, stand er da: sei es, dass ein
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