Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

von Morgenroete entschwand aus seinem Naeschen.

"Was redest dui" sprach er hastig und leise, indem erGrigorss gefaltete Haende mit der seinen ergriff.

"Ich hin betrogen", fuhr dieser fort und beugte sich tief,als habe er einen eigenen Betrug zu beichten. "In Liebe undGuete bin ich betrogen. Ich bin nicht, fuer den zu halten manmich gelehrt hat. Das Tor der Wahrheit, das man auch das Torder Moeglichkeiten nennen koennte, ist mir aufgesprungen durcheinen Schlag. Ich habe Flann, den ich meinen Bruder nannte, imKampf geschlagen, dank einer sonst hier nicht verbreiteten Fae-higkeit, mich ausserordentlich zusammenzunehmen. Im Zorn, wellich ihm weh getan, hat meine Amme, seine Mutter, es gellend ver-kuendet vor meinen Ohren, dass ich ein Findling bin, nichts wei-ter, ein Gott-weiss-wer, als kleines Kind von der Freise ge-fischt mit kalter Hand. Leib und Seele ueberwaeltigt die Schmachmir, hoer ich das jemals wieder, und, credemil ich werde es nie-

4

mals wieder hoeren."

Damit stand er auf. Vom demuetigen Knieen erhob er sich,den Fuss fest aufsetzend, und stand da, bleich das schoene Ge-sicht, worin die Augen blaeulich brannten.

"Verabschieden sollt ihr mich, lieber Herr, denn ich bleibenicht laenger hier. Die Hot der Suche muss ich auf mich nehmenals irrender Knecht und ohne Dach sein, wie ich schon diese Nachtohne Dach war. Sicherlich finde ich irgendwo das unbekannteLand, aus dem ich stamme. Ich habe Koennen und Verstand, ichwerde, credemi, nicht zu Grunde gehen, so Gott es nicht aus-druecklich will. Er muss darauf versucht sein, und lieber willich in der Wueste sterben und verderben, als laenger auf diesemEiland leben. Unehre vertreibt mich. Zu sehr fuerchte ich den

125