Dustes. Vor ihm brütete die Sonne aufdem zittern-den Wasser.
Wie müde und abgehetzt er sich fühlte, und wiedoch alles in ihm in qualvollem Aufruhr war! Wares nicht das beste, noch einmal um stch zu blickenund dann hinunter in das stille Wasser zu gehen,um nach einem kurzen Leiden befreit und hinüber-gerertet zu sein in die Ruhe? Ach, Ruhe, Ruhewar es ja, was er wollte! Aber nicht die Ruhe imleeren und tauben Nichts, sondern ein fanftbefonnterFriede, erfüllt von guten, stillen Gedanken.
Seine ganze zärtliche Liebe zum Leben durchzitterteihn in diesem Augenblick und die tiefe Sehnsuchtnach feinem verlorenen Glück. Aber dann blickte erum stch in die schweigende, unendlich gleichgültigeRuhe der Natur, sah, wie der Fluß in der Sonnefeines Weges zog, wie das Gras stch zitternd bewegteund die Blumen dastanden, wo sie erblüht waren,um dann zu welken und zu verwehen, sah, wie alles,alles mit dieser stummen Ergebenheit dem Daseinstch beugte, — und es überkam ihn auf einmal dieEmpfindung von Freundschaft und Einverständnismit der Notwendigkeit, die eine Art von Überlegen-heit über alles Schicksal zu geben vermag.
Er dachte an jenen Nachmittag feines dreißigstenGeburtstages, als er, glücklich im Besitze des Frie-dens, ohne Furcht und Hoffnung über den Rest feinesLebens hinzublicken geglaubt hatte. Rein Licht undkeinen Schatten hatte er da gesehen, sondern in
42