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3 (1835) Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch : . 3 / Barri bis Bo
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8 Bart

junger Mann nicht eher, als bis er einenFeind erlegt hatte. Die Gothen und Lon-gobardcn trugen indessen Bärte und führ-ten diese wieder in Italien ein, nahmenjedoch später Knebelbärte an. Bei denFranken galt der Bart u. langes Haar alsZeichen der Freiheit und Würde. Im Mit-telalter wechselte die Sitte des Barttragcns.Bald lstß man den B. wachsen; bald trugman nur Knebelbärte; selten schor man ihnganz ab. Dieses Abweichen von der Sitteveranlaßte selbst Kirchenstreitigkeiten, indemdie Griechen den Lateinern vorwarfen, daßihre Heiligen keine Bärte hätten. Fast im-mer wurde indessen das Tragen von Bärtenals schicklich für Geistliche und Beamte ge-halten, und eine Zeit lang diente es zurkräftigen Bestätigung einer Urkunde, daßman Barthaare mit in das Siegel druckte;doch fehlen auch nicht Beispiele, wo der B.Geistlichen verboten ward. Den B. ganzabzuscheren, ward erst zu Ludwigs XI V. Zeitallgemeiner, weil, da dieser König un-mündig und ohne Bart auf den Thron kam,seine Hofleute, um ihm möglichst ähnlichzu werden, den B. abschoren. In den er-sten Jahren der Revolution kamen dieBackenbärte Wiederaus, u. sie sind seitdem,wie bekannt, ziemlich allgemein geworden,während die Schnurrbärte dem Militär,die Kinnbärte den Juden und Ordcnsgcist-lichen überlassen geblieben sind. Auch beiden Juden ist indessen das alte Gesetz inVergessenheit gekommen, und sehr viele sche-ren jetzt den B. ab. In Rußland sind dieB. trotz Peters des Gr. Befehlen, und inPolen und besonders in Ungarn die Kne-belbärte noch im Gebrauch. Auch die grie-chischen Geistlichen trage» einen vollen B.Im Orient ist die alte Sitte völlig unab-geänderc geblieben und fast Alles, was dieBibel und die Alten über das Barttragenin jenen Gegenden erzählen, noch im Ge-brauch. Man betrachtet den B. dorr alsein Heiligthum, das Gott dem Mann zurUnterscheidung vom Weibe gegeben habe, u.die Muhammedaner daS Abschneiden leffel-ben, da es Muhammed nicht gethan, alsreiigionswidrig. Man legt es daher denPersern als Ketzerei aus, daß sie den B.unter dem Kinn nur etwa einen Fingerbreit stehen lassen. Die Araber halten einGesicht ohne B. für häßlicher als eins ohneNase, und nichts wird den Europäern sozum Schimpf gerechnet, als daß sie keinenW. tragen. Nur zur Trauer und zum Sei-chen der Schmach und Knechtschaft wird derB. abgeschnitten, und die Sklaven im Se-rail sind daher ohne denselben, da hingegenden B. des Sultans nie ein Schermesserberührt. Junge Leute sind natürlich nichtso an das Tragen deS B. gebunden; sielassen nur den Knebelbart stehen und sche-ren hen B- gm Kinn sv lan'gc ah, bis cx

Bart

die gehörige Größe hat. Bei de» älteren stehtumgekehrt der B. am Kinn wieder in vielgrößerem Ansehn als der an der Lippe, u.sie scheren letzter» sogar zuweilen ab. DerB. der Orientalen wird stets in schönsterOrdnung gehalten, mit wohlriechenden Was-sern besprengt und mit Alocbolz durchräu-chcrt. Männer küssen ihn sich gegenseitigals Zeichen der Achtung, Weiber und Kin-der den B. ihres Gatten und Vaters alsZeichen der Liebe. Einen Mann mit einemschönen B. hält man keiner schlechten Hand-lung fähig, und begeht er sie doch, sosagt man: Schade um seinen B. Bei mei-nem B., beim Leben meines Barts, sindhohe Schwüre; ein noch höherer: beim B.des Propheten, und: Gott erhalte deinen Bist eine lebhafte Dankbezeigung. FalscheB. kommen schon i» sehr früher Zeit vor.Die Könige von Persien trugen sogar goldne.1351 erschien in Spanien ein scharfes Ver-bot gegen falsche B. Der Herzog vonLothringen erschien 1477 beim BegräbnißKarls des Kühnen von Burgund sogar ineinem bis ans Knie reichenden B. vonGoldfäden. (Geschichte des männlichenBarts bei allen Völkern, Leipzig 1787.)S) (Autiquit.). Von den Göttern derGriechen und Römer werden einige stetsmit B. (wie Zeus), andere stets ohne den-selben (wie Apollon) abgcbildet; bei andernwechselt die Darstellung, wie z. B. Bak-choS, der meist unbärtig dargestellt wird,doch auch zuweilen mit B. verehrt ward.Selbst Göttinnen wurden in seltenen Fällenmit einem B. abgebildet, wie es z. B.eine Venns ssardara (s. Laröwra.) gab.Die Bärte der Götterstaluen waren zuwei-len von Gold. Bei Bildsäulen von Kai-sern und andern wirklichen Personen ent-schied die Sitte der Zeit, ob sie mit oderohne B. dsrgestcllt werden. (/^--. .8-/,. l->.)

Bart, in anderer Bedeutung; 1) (bild-lich), das Kinn und das ganze Gesicht;L) Schmutz in der Gegend des MundeS;3) langes Haar am Unterkiefer mehrererLhierc; 4) (Gebreche, Jägerspr.), amSchwarzwildpret der Rüssel; 5) die langen,einzeln stehenden Haare an dem Obcrmauteder Hasen, Katzen und anderer Thiere; 6)Lei den Pferden die an. der hintern Seiteder Unterlippe befindliche Erhabenheit, überwelcher die Kinnkette des Siangenzaumszu liegen kommt; 7) die Läppchen am Halsteines Hahnes; k>) (Schweis), anAustcrn, derdas zarte Fleisch umgebende häutigere Thcil;überhaupt die Haare oder haarartigen Fa-den (lat. dg-ssns) , welche an den Fußwur-zeln mehrerer zweischaligsn Weichthlereentspringen, zu den Schalen heraus-hängen, und womit sie sich sortbewegenoder anhänge»; daher Bartmuscheln (s. d.);S) so v.w. Bartfäden; 10) (bot. Nomcncl.),der untere, dem Helm gegenübcrstehcnde Ab-schnitt

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