Das Vaterland der bittern Quafsia ist Suri-nam, wo sie trockene Wälder liebt, doch kommtsie nach Herrn von Martius auch in Brasi-lien vor.
Der Stamm ist mehr strauchartig, sehr ästig,zwölf bis fünfzehn Fufs hoch, sein Holz ist leichtgraulich - weifs, die Rinde dünn, glatt und unterder grünlich - grauen Epidermis, die an vielenStellen gewöhnlich fehlt, weifs und schwammig;der anhängende dünne Rindenbast ist von grauerFarbe.
Die Blätter stehen abwechselnd und sind amGrunde der Zweige dreizählig (ternata), gegen dieSpitze hin ungleich gefiedert (folia pinnata cumimpari). Die Blattstiele sind geflügelt und zwar so,dafs die herablaufende Blattsubstanz gegen die Spitzeder Internodien breiter wird, und an der Stelle,wo die Fiederblättchen ansitzen, absetzt, wodurchkeilförmige Internodien und ein gegliedert-geflügelterBlattstiel (petiolus articulato-alatus) entsteht. DieFiederblättchen, deren gewöhnlich zwei gegenüberund drei entfernt an der Spitze beisammen stehensind länglich-lanzettförmig, gegen die Basis unddie Spitze hin stark verdünnt, am Rande ganz, et-was eingerollt und wellenförmig, glatt, oben dun-kelgrün, unten blafs; die Mittelrippe des Blattstiebund der Fiederblättchen ist purpurroth. Ein grös-seres Blatt mifst sieben Zoll in der Länge, die Fie-derblättchen sind zwei und einen halben bis dreiund einen halben Zoll lang, und einen bis andert-halb Zoll breit.
Die B1 ü t h e n stehen an der Spitze der Zweigeund auf sehr kurzen Seitenästchen in fünf bis sechsZoll langen einfachen Trauben. Der kreiseiförmigeKelch 1 ist am Saum in fünf eiförmige sehr kleineBlättchen gespalten. Die kurzgestielten Blüthensind mit dem sremeinschaftlichen Blüthenstiel schönhochroth, an der Basis der Blüthenstielchen findetsich ein keilförmiges abstehendes Deckblättchen undfünf sehr kleine Schüppchen am Grunde desKelchs. Die fast kegelförmige Blumenkrone istaus fünf lanzettförmigen schief über einander lie-genden und nur bei völliger Blüthe an der Spitzeklaffenden Blummenbiättern gebildet.
Jeder der zehn Staubfäden ist an seiner Ba-sis mit einem kleineren äufseren und einem gröfse-ren innern, am Rande und auf dem Rücken mitweifsen Haaren dicht bekleideten Schüppchen ver-sehen; sie sind roth und länger als die Blumen-krone.
Die fünf ovalen Fruchtknoten sitzen auf ei-ner fleischigen erhabenen runden undeutlich-fünf-
eckigen Scheibe und laufen in einen, durch Ver-wachsen entstandenen gemeinschaftlichen Griffel aus,der die Staubgefäfse an Länge übertrifft, die Narbeist schief abgestutzt und etwas gewimpert. DieFrüchte sind oval, etwas zusammen gedrückt,netzförmig-aderig, schwarz.
Die Rinde und das Holz sind von ausgezeich-net starkem bitterm Geschmack und seit langer Zeit(ungefähr seit 174a) als Arzneimittel gerühmt. Inden ersten Zeiten kam wohl dieses Holz allein ausSuriuam von dem hier beschriebenen Baum und derNamen Quassia soll von einem Neger NamensQuassi herstammen, der das Holz zuerst in demgenannten Lande anwandte; später wurde auch dassehr ähnliche und gleich bittere Holz der Sima-ruba excelsa aus Jamaika unter dem NamenQuassia eingeführt. Nach der Meinung meinesFreundes, des Herrn Apothekers Dr. Th. Mar-tius, der eine ausgezeichnete pharmakologischeSammlung besitzt, kann man annehmen, dafs allesdasjenige Holz, was in dünnem nicht gespalte-nen Stücken im Handel als Surinamisches Quafsia-holz vorkommt, von dieser Quassia amara, diegrofsen dicken und gewöhnlich gespaltenen Stückeaber von dem folgenden Baume abstammen. DieRinde und das Holz des Stammes Cortex etLig-num Quassiae (nicht der Wurzel, wie es fälsch-lich noch in einigen neuern pharmakologischen Wer-ken heilst) gehören zu den rein bitteru Arzneistof-fen mit schwach reagirenden Extracliv-stoff, der in Wasser und Weingeist gleich löslichist. Nach den neuesten Untersuchungen findet sichdarin auch ein ammoniakalisches Salz. (S. PfafFMat.med. Suppl. II. p. 68.) Ein Quafsiaholz, dessen In-fusum oder Decoct mit schwefelsauren Eisen einenschwarzen Niederschlag bildet, ist verdächtig Tindsoll von Rhus Met opium abstammen, dochkommt diese Verfälschung gewifs sehr selten vor.
Anm. Wir haben bei dieser Beschreibung und Ab-bildung ein getrocknetes Exemplar, welches wirunserm Freunde, Herrn Hofrath von Martius,verdanken, nebst einer uns von Herrn HofrathTilesius gütigst mitgelheilten Zeichnung benutzt,und müssen nur bedauern, dafs uns die Arbeitdes Herrn Dr. Th. Martius über diesen Gegen-stand bis jetzt noch nicht zugekommen ist.
(N.v.E.)
Abbildungen,
Patris in Roz. Observ. LX. tab. a.Gurt. Bot. Magaz. tab. 4°7-Hayne I* c. LX. tab. 14.
Erklärung der Tafel.
f. Ein blühender Zweig.
2. Eine Blüthe.
3. Der Kelch, vergröfsert.
4. Der fünfeckige Fruchlträger mit den Fruchtkno-
ten, den verwachsenen Griffeln und drei abge-stutzten Staubfäden mit ihren Schuppen.
5. Ein Staubgefäfs, in natürlicher Gröfse.
0, Ein Staubfaden mit seinen beiden Schuppen,voa der Seite gesehen und vergröfsert dargestellt.
7. Derselbe von der äufsern Seite gesehen.
8. Derselbe von der innern Seite.
9. Die Früchte.