Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Die Traubenkirsche kommt durch ganz Eu-ropa in etwas feuchten Waldern vor.

Der Stamm erreicht zuweilen eine Höhe vondreifsig Fufs, häufiger aber kommt er als ein gro-sser sehr ästiger Strauch vor; sein Holz ist in derJugend weifs, im Alter gelblich, zäh und feinfasrig;die Rinde glatt-schwarzgrau.

Die Blätter stehen abwechselnd auf rinnen-förmig-ausgehöhlten glatten rolhen 6-9 Linienlangen Blattstielen; sie sind oval, in eine stumpfeSpitze auslaufend, am Grunde undeutlich-herzför-mig, am Rande scharf gesagt, auf beiden Seitenglatt, oben durch vertiefte Nerven und Adern runz-lich und gesättigt grün, unten blafs graulich * grün .die Länge beträgt im ausgewachsenen Zustande un-,gefähr 3-4 Zoll, die Breite 11/2 bis 2 Zoll. (Anjungen Trieben sind die Blätter oft bedeutend grö-fser.) An der Spitze des Blattstiels stehen zwei rundegrüne oder röthliche Drüsen, an seiner Basis zweihinfällige linienförmige gewimperte Afterblätteben.

Die Blüthen erscheinen nach dem Ausschla-gen der Blätter in zahlreichen abstehenden nik-kenden vier bis fünf Zoll langen Trauben, und sindeine Zierde der Wälder. Die besonderen Blüthen-stiele sind, wie der Hauptstiel, glatt und ungefährsechs Linien lang. Die Abschnitte des Kelchssind eiförmig, stumpf gewimpert und rückwärtsgebogen.

Die w r eifsen Blumenblätter sitzen ausge-breitet, ohne Nagel, an dem Eingange des glocken-förmigen Kelchrohrs; sie sind weifs verkehrt-eiför-mig abgerundet, gezahnt, 21/2-3 Linien lang. Anderselben Stelle entspringen zahlreiche (gewöhnlich3o) Staubgefäf se; die Staubfäden sind weifs,kürzer als die Blumenkrone, von ungleicher Längeund einwärts gekrümmt; die Staubbeutel sindklein, blafs gelb.

Der grüne Früchtknoten ist in das gelbeinnen behaarte Kelchrohr versenkt; der Griffelist etwas kürzer als die Staubgefäfse und mit einerverdickten flachen gelben Narbe gekrönt.

Die Früchte sind runde glänzend-schwarzesaftige Steinfrüchte von der Gröfse der Erbsen. DerSteinkern (Pyrena) ist eiruudlich und zeigt erha-bene eiförmige Rippen, wodurch er sich der Gat-tung Amygdalus nähert. Der Geschmack ist zu-sammenziehend, etwas süfslich; der Kern ist bitterund riecht stark nach Blausäure.

Die Rinde der jungem Aeste ist offici-nell; sie besitzt einen eigentümlichen starken un-angenehmen Geruch und sehr bittern Geschmackund enthält;

ein blausäurehaltiges flüchtiges Oel,

Harz,

Extractivstoff,

Tannin und

Gummi.Das ätherische Oel der Rinde ist dem der Kirsch-lorbeerblätter sehr ähnlich, und es ist deshalb dieseRinde als eine Stellvertreterinn derselben in Vor-schlag gebracht worden.

(N. v. E.)

Abbildungen.Flor. dan. tab. 2o5.

Erklärung der Tafel.

1. Ein blühender Zweig.

2. Ein anderer mit reifen Früchten.

3. Der Kelch mit den Staubgefäfsen una dem Pi-

still', in natürlicher Gröfse.

4. Die Blüthe im Längsdurchschnitt, vergröfsert.

5. Ein Staubgefäfs.

6. Das Pistill, beides ebenfalls vergröfsert.

7. Eine. Beere, im Querdurchschnitt, mit dem her-

vorstehenden Kern.

8. Der Kern, in natürlicher Gröfse.'9. Derselbe, vergröfsert.

10. Die Basis eines Blatts, vergröfsert, um die Dru-sen zu zeigen.