Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Diese ausdauernde Pflanze wächst nichtnur auf den hohen, gebirgigen Gegenden Europas,sondern auch in den niedcrn ungebauten Orten undnafsen Wiesen der Schweiz , Deutschlands, Eng-lands und Frankreichs.

Die Stengel derselben sind einfach, aufrecht,mit röthlichen Gelenken versehen, rund, gestreift,hohl, glatt, und erheben sich zu einer Höhe vonzwey bis drey Fufs.

Die Blätter sind abwechselnd. Die unternstehen in einem Kreise, sind grofs lanzettförmig,etwas wellenförmig und an einem langen Blattstieleherablaufend. Die obern sind kleiner, aufsitzend,eyrund-lanzettförmig, und den Stengel fast umfas-send. Alle sind an ihrer Basis mit gelblichen,stumpfen Blattscheiden versehen, ganz ungetheilt,oben dunkelgrün und unten weifs-grünlich.

Die wohlriechenden Blumen bilden am Endedes Stengels eine einzelne, dichte, stumpfe, walzen-förmige, rosenfarbige Aehre. Sie stehen immer zuzwey beysammen mit ungleichen Stielen, und sindam Grunde mit eyrund lanzettförmigen, braunenDeckblättern versehen.

Der bleibende, einblättrige Kelch ist fünfspal-tig, mit eyfurmig-stumpfen Einschnitten. Die Kro-ne fehlt. Die acht Staubläden sind pfriemenförmig,sehr kurz, stehen im Blumenboden, und tragenrundliche, aufliegende Staubbeutel. Der obere Frucht-knoten ist dreyeckig, und hat drey fadenförmigeGriffel, wovon jeder mit einer einfachen, stumpfenNarbe versehen ist.

Die Frucht besteht in einem einzigen nakten,dreyeckigen, zugespitzten, im Kelche eingeschlos-senen Saamen.

Diese Pflanze blüht im Mai und Juni. DieSaamen reifen im Juli und August. Es gibt davonVarietäten mit weniger gebogener Wurzel und sie-ben Staubfäden, In Gärten gedeiht sie am besten

in etwas feuchtem Boden und läfst sich durch Zer-theilung der Wurzel leicht vermehren.

Man pflegt die Wurzel (radix Bistortae seu Co-lubrinae, Natterwurz, Schlangenwurz, SchlippenwurzKrebswurz, Giftwurz) welche offlzinell ist, im Früh-jahr einzusammeln. Sie ist zusammengedrückt, fastwie ein Finger dick und lang, hart, gekrümmt undgebogen, gegliedert, mit ringförmigen Runzeln ver-sehen und vielen Fasern besetzt, auswendig schwarz-braun und inwendig röthlich oder fleischfarbig, mitder Zeit orangegelb anlaufend, und besitzt einenkaum merklichen Geruch; aber sehr herben, ad-stringirenden Geschmack.

Abbildungen.

Flor, du dict. des Scienc. med, livr» 19. pl, 71,

Plenk icon. plant, med. 3o6.

Oeder. Fl. dan. 421.

Curtis. Fl. Lond. n, 2.

Engi. botany. 509.

Dreves und Hayne. bot, Bild, t, 3g.

Miller. Jcon. t» 66.

Blackw. Herb. t. 254-

Ludwig Eclyp. t. 3i.

Kniphoff. Cent, 1, n. 65,

Lobel, Jcon. 292.

Erklärung der Platte.

Taf. No.

1, Die ganze Pflanze, mit daneben gesetzten Blüthen-

stengel.

2, Zwei einzelne, mit ungleichen Stielen immer zu-

sammenstehende Blüthen,3> Eine einzelne Blumenkrone mit den Staubfäden,geöffnet und ein wenig vergröfsert.

4. Die drei fadenförmigen Griffel.

5. Dieselben ein wenig vergröfsert.