S c h w c d. Oljeträd.
Russ, Oliva.
Po In. Oliwne drozewo.
Ung« Ola jfa.
Der Olivenbaum ist von mittelmäfsiger Gröfseund seit den ältesten Zeiten bekannt. Die Altenhielten ihn in grofser Verehrung. Er war ein Zei-chen des Friedens und mehrern Gottheiten, beyden Griechen der Minerva, geheiligt. Man glaubt,dafs die Phocier ibn 680 Jahre vor Christi Geburtnach Marseille gebracht haben, von wo er sichausbreitete. Jetzt wächst er häufig im nördlichenAfrika und in den südlichen Ländern Europas, vor-züglich in Portugal, Spanien, Frankreich und Ita-lien. In mehreren Gegenden dieser Länder wirder mit gröfster Sorgfalt kultivirt, wodurch, wie beiunsern Obstarten, viele Varietäten entstanden sind.Eine sehr grofse Kälte kann er nicht vertragen-,liebt einen dürren, steinigten Boden, wird theilsdurch Saamen, theils durch Wurzelsprossen undZweige vermehrt und soll ein sehr hohes Alter er-reichen.
Sein Holz ist hart und geädert; die Wurzeloft angenehm marmorirt. Die Aeste sind sehr glatt,von gräulicher Farbe und mit gegenüberstehendenbleibenden, harten, festen, ganz ungetheilten, lan-zettförmigen Blättern besetzt, welche oben glattund grün, unten weifs und seidenartig sind.
Die Blüthen sind weifs, klein, wohlriechend,und zuweilen einzeln, öfter aber in kleinen ge-drängten Trauben in den Blattwinkeln stehend.
Der einblättrige, abfallende Kelch ist röhrig,kurz und vierzahnig; die Krone einblättrig, trich-terförmig und mit vier fast eyförmigen, flachenEinschnitten und zwey Staubfäden versehen. DerFruchtknoten sitzt oben. Der Griffel ist ein-fach, sehr kurz; die Narbe dick und zweylappig.
Die Frucht, eine Steinfrucht, ist glatt, ein-fächerig, länglich rund, fleischig, sehr ölig undenthält eine harte, längliche, gefurchte Nufs, dieeinen weifsen, süfsen Kern einschliefst.
Der Oelbaum blüht im May und Juni und dieFrüchte reifen im October und November. Dasaus den Früchten ausgeprefste fette Oel, Baumöl,(Oleum olivarum) ist offizineil. Beym innern Arz-neygebrauch hat das aus der Provence, von Lan-guedoc und Genua kommende, Provencer und Ge-nueser Oel auch Jungfernöl (Oleum olivarum virgi-neum) genannt, den Vorzug. Es wird aus den be-sten und reifsten Früchten durch gelindes Auspres-sen erhalten, besitzt eine blasse, gelbliche Farbe,fast gar keinen Geruch und einen milden, ange-
nehm süfslichen Geschmack. Schon in geringer Kältegerinnt es zu einer ganz weifsen körnigen Masse.Das durch eine zweyte Pressung erhaltene gemeineBaumöl (Oleum olivarum commune) hat eine gelb-lich grüne Farbe und ist bey weitem nicht so gutals das erstere. Ein dunkelgelbes, grünliches, un-durchsichtiges, trübes, übel oder thranich riechen-des Baumöl von scharfem, bitterlichem oder ranzi-gem Geschmacke ist zum Arzneygebrauche ganzund gar untauglich. Auch ist das Provenceröl zu-weilen mit andern fetten Oelen, mit Mohn-, Nufs-oder Buchöl und das gemeine Baumöl mit Rüb-oder Leinöl verfälscht. Ein auf solche Art ver-fälschtes Baumöl gerinnt nicht sobald in der Kälteoder es erfordert doch einen höhern Grad der Käl-te zur Gerinnung, bekommt durch starkes Schüt-teln viele Luftblasen, hat einen mehr oder weni-ger veränderten Geruch und Geschmack, und brenntnicht ohne Rauch und nicht mit einer so reinen undhellen Flamme als das ächte. Um das ranzig gewor-dene Baumöl wieder süfs und weifs zu machen,werden demselben zuweilen Bley oder dessen Oxy-de zugesetzt; auch sogar Rüb und Leinöl werdenauf solche Weise behandelt und dann für achtesBaumöl verkauft. Das Oel wird dadurch oft völligfarbenlos gemacht, hat aufserdem eine eigene Süfs-lichkeit und eine mehr schmierige Consistenz. Amsichersten entdeckt man eine solche Berrügerev,wenn man zu einer Portion Oel gleich viel destil-lirten Essig, dem noch einige Tropfen Salpetersäu-re beygemischt worden, giefst, beydes durcheinan-der schüttelt und den davon wieder abgeschiede-nen Essig mit Hahnemanns Weinprobe vermischt,wo dann der braune oder schwärzliche Niederschlagden geringern oder gröfsern Grad dieser strafbarenbetrügerischen Verfälschung anzeigt.
Abbildungen.
Du Hamel edit. Michel. V. t. a5. ad 3a.Flor. d. dict.. d. scienc. med. livr. 66. pl. 254-Plenk icon. pl. med. f. 11.Lam. illustr. gen. t. 8. f. 2.Gärtn. de fr. et sem. t. g3. f. 3.Blackw. herb. t. 199.Dodon. pempt. 821.
Erklärung der Platte..
1.
Taf. No.Ein blühender Zweig.
2. Eine einzelne Blumenkrone mit den zwey Staub-
fäden und aufrechtstehenden Staubheut ein,
3. Die ganze Steinfrucht.
4. Dieselbe quer durchgeschnitten.
5. Der Kern oder die Mandel.