Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der Peruanische Balsam bäum ist in NeuGranada, Peru, Columbien und Mexikoeinheimisch und in jenen Gegenden unter dem >a-men Tache, Quina Quina bekannt.

Es ist ein ansehnlicher Baum von schönemWuchs; der Stamm ist mit einer dicken glattensehr harzreichen Rinde bekleidet.

Die jungen Zweige sind glatt, und mit Mei-nen runden Warzen von etwas hellerer Farbe besetzt.

Die immergrünen Blätter stehen ahwechselndund sind ungleich gefiedert, aus eilf oder mehreren,ebenfalls abwechselnd stehenden Fiederblättchen ge-bildet; der gemeinschaftliche Blattstiel ist etwasgebogen, glatt, ungefähr vier Zoll lang; die Fie-derblättchen haben kurze eine oder anderthalb Li-nien lange weichhaarige Blattstielchen; sie sind ei-

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formig-länglich, ganzrandig, stumpf und etwas aus-gerandet, auf beiden Seiten glatt, oben glänzendgrün, unten blafser; die unteren sind kleiner, kür-zer und fast herzförmig; alle zeigen, gegen dasLicht gehalten, längliche durchsichtige Drüsen, undsind lederartig, netzförmig-aderig.

Die Blüthen bilden einfache aufrechte unge-fähr fünf Zoll lange Trauben an der Spitze derjungen Zweige; der gemeinschaftliche Blüthenstielist nach unten fast glatt, die Blüthen selbst stehenauf dünnen fadenförmigen nickenden vier bis fünfLinien langen sehr schwach behaarten besonderenBlüthenstielchen, an deren Basis sich ein sehr klei-nes eiförmiges spitziges Deckblättchen findet.

Der Kelch ist glockenförmig, abgestutzt, mitfünf kaum sichtbaren Zähnchen.

Die Bin inen kröne ist aus fünf sehr unglei-chen zarten Blumenblättern gebildet; vier davonsind sehr schmal, linien-lanzeltförmig, spitz, dasobere hat einen langen schmalen Nagel und einebreite abgerundete fächerförmige Platte, und stelltso die Fahne einer schmetterlingsförmigen Blüthedar, alle sind weifs mit gelblichen Nägeln

Die zehn Staubgefäfse, von denen zuweileneins oder zwei fehlen, sind am Grund des Kelchsbefestigt; die Staubfäden sind glatt, an derBasis etwas breiter, von der Länge des Kelchs;die Staubbeutel sind nahe am Grund auf demRücken angeheftet, bestehen aus zwei, der Längenach aufspringenden häutigen gelben Fächern, undlaufen in ein feines Spitzchen aus (antherae rostratae).Diese Staubfäden fallen mit den Blumenblättern ab.

Der Fruchtknoten ist lang gestielt, aufstei-gend, zusammengedrückt, glatt, grün, einfächrig mitzwei nierenförmigen Eichen.

Der Griffel ist gekrümmt, nach oben ver-dünnt, mit spitzer Narbe.

Die Frucht ist nach Decandolle eine le-derartige fast vier Zoll lange Hülse, mit einem sehrstarken Flügel auf der einen Seite.

Aus den jungen Zweigen dieses Baums, undwahrscheinlich auch aus denen der folgenden Art,wird durch Auskochen mit Wasser ein flüssiger Bal-sam gewonnen, der unter dem Namen Perubal-sam, Balsam us peruvianus niger, bekanntund berühmt ist. Der ächte Balsam stellt eine dun-kel schwarzbraun-rothe Flüssigkeit von der Consi-stenz eines Syrups dar; er riecht sehr angenehmnach Vanille, und besitzt einen bitterlich - aromati-schen etwas scharfen Geschmack. Sein spezifisches

Gewicht ändert von 1,1/40 bis i,i5o ab. Nach einertrefflichen Analyse dieses Balsams von Herrn Pro-fessor Stolze (a. d. o. a. O.) enthält er folgendenähern ßestandtheile:

Schwerlösliches braunes Harz . . . 24.

Leichtlösliches braunes Harz . . . 207.

Perubalsamöl ........ 690.

Benzoesäure ......... (54-

Extractartige Materie...... t>.

(Feuchtigkeit und Verlust) .... 9.

1000.Das Perubalsamöl ist von den fetten sowohlals von den ätherischen Oelen verschieden, dochmehr den ersteren verwandt. Die angeführten ße-standtheile lassen sich wieder zu einem, dem ächtenBalsam ganz ähnlichen Gemisch vereinigen. DieVerfälschung mit ätherischen und fetten Oelen kannnach Stolze nur ein Achtel des Ganzen betragen;man erkennt die erstem durch den Geruch beim Er-warmen, die letztern beim Lösen derselben in Wein-geist von 70 pCt.

Die Vermischung des Balsams mit Copaivbalsamkann höchstens nur den vierten Theil betragen;man erkennt leicht diese Verfälschung, wenn manzuerst die freie Benzoesäure entfernt und den Bal-sam hierauf erwärmt, wobei sich der spezifische Ge-ruch des Copaivbalsnms entwickelt.

Aufser diesem bekannten schwarzen Balsam solldurch freiwilliges Ausfliefsen aus der Rinde diesesBaums der weifse peruvianischeBalsam, dereingetrocknet unter dem Namen Opobalsamumsiecum vorkommt, gewonnen werden. Bei dergrofsen Verwandtschaft dieses Baums mit der fol-genden Art dürfen wir annehmen, dafs die so ge-wonnene balsamisch-harzige Substanz von derjeni-gen, die wir Balsamus de Tolu nennen, nichtverschieden ist.

Anm. Wir verdanken der Güte des Herrn Profes-sor Kunth in Paris die Mittheilung eines Exem-plars von diesem so interessanten Baum, welchesuns hier zum Vorbild diente.

(N. v. E.)

Abbildungen.

Hernandez Mex. p. 5i.Bertol. Amoen. tab. i.

Erkläruns; der Tafel.

i. Ein blühender Zweig.

2. Der Kelch.

3. Eine Blüthe mit dem Kelch, von der Seite.4- Eine Blüthenknospe.

5. Eins der schmalen Blumenblätter, (alle Figuren

in natürlicher Gröfse).

6. Dasselbe vergröfsert.

7. Die Fahne, ausgebreitet in natürlicher Gröfse.

8. Eine ganze Blüthe, künstlich ausgebreitet und

vergröfsert dargestellt, um alle Theile zu zeigen.

9. Ein Staubgefäfs, in natürlicher Gröfse.

10. Dasselbe, vergröfsert, vom Rücken gesehen,li. Dasselbe, von vorn.

12. Ein Stück von einem Blatt, sehr stark vergrö-fsert, um die durchsichtigen Drüsen zu zeigen