Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der strauchartige Stengel steigt mit seinen ran-kenden Blattstielen bis zur Spitze der höchstenBäume empor. Er erreicht eine Dicke von sechs-zehn bis achtzehn Zoll im Umfang und treibt vielelange hängende Aeste. Die ältere Rinde ist grau,rifsig und korkartig. Die Blattstiele stehen abwech-selnd, sind rund, glatt, von der Länge des Blattsund an der Basis, mit der sie die Stelle der Ran-ken (cirrhi') vertreten, stark verdickt und gebogen.Die Blätter sind am Stamme zerstreut, an denAeslen genähert, ruudlich-herzförmig mit kurzerSpitze, ganzrandig und sehr grofs, acht bis zwölfZoll lang und fast eben so breit; sie sind immer-grün, fest und lederartig, auf der obern Seite glattund dunkelgrün mit hervortretenden Blasen (bullata),auf der untern blafs blaulich-grün und etwas kleien-artig bestäubt; die Nerven ragen stark vor und sindan den altern gelblich; in ihren Winkeln (axillae)finden sich kleine Haarbüschel. Die weiblichenBlüthen stehen in hängenden, gewöhnlich zu dreienbis vieren vereinigten, ein bis zwei Fufs langen, zu-sammengesetzten sparrigen Trauben. Der allge-meine und die besondern Blüthenstiele sind rund,glatt und am Grunde etwas verdickt. An diesenletztern stehen kleine eiförmige hinfällige Deckblätt-chen. Die Menge der Trauben mit ihren zahllosen-weissen Blüthen, von hohen Bäumen herabhängend,soll einen schönen Anblick gewähren. Der Kelchbesteht aus zwei oder drei sehr kleinen eiförmigenstumpfen Blättchen; die Blumenkrone ist aus sechsweifsen fleischigen ei-lanzettförmigen zurückgebo-genen und in zwei Reihen stehenden Blumenblät-tern gebildet. Drei eiförmige auf dem Rücken et-was gewölbte einsaamige Fruchtknoten stehen so aufdem Fruchtboden, dafs sie mit den innern Blumen-blättern abwechseln. Die Narben sind zurückge-krümmt. An ihrer Basis finden sich acht bis zehnwalzenförmige abgestutzte fleischige Körperchen, dieals die Rudimente der Staubgefäfse zu betrachtensind. Diese Blüthen verbreiten einen starken demder Berberitzen ähnlichen Geruch. Die Frucht, de-ren jede Traube oft zwei bis dreihundert bringt,ist eine bei der Reife purpurrothe Beere, die unterder weichen fleischigen Hülle einen rundlich - nie-renförmigen braunen Saamen bringt. In diesemspringt der Saamenhalter auf der einen Seite weitvor und um ihn liegt, halbmondförmig gekrümmt,der Eiweifskörper mit dem Embryo.

(Wallich.)

Diese Saamen sind schon von alten Zeiten herunter dem Namen Gocculi indici, Cocculipiscatorii in den Officiuen vorrälhig, wurdenaber fast nie als Heilmittel angewandt, bis sie inder neusten Zeit von sehr berühmten Aerzten alsein treffliches äufseres Mittel gegen Kopfgrind em-pfohlen wurden.

Sie besitzen einen sehr starken bittern Ge-schmack und gehören zu einer eigenen Klasse dernarkotischen Gifte, die das Bittergift (Picrotoxin)enthalten, welches seine Wirkungen vorzugsweise aufdas Rückenmark äufsert. Dieser giftige Bestandtheil,der kristallinisch als ein eigenthümliches Pflanzen-alkaloid (Cocculin) dargestellt werden kann, ist ingeringer Menge in der Saamenschale, in weit grös-serer hingegen in dem Eiweifskörper des Saamen-kerns, mit einer eignen Säure (Menispermsäure) ver-bunden, enthalten. Aufser diesen beiden Bestand-theilen enthalten diese Saamen ein festes fettes Oelin so bedeutender Menge, dafs es die Hälfte desGewichts der Saamen beträgt und in Indien zu Ker-zen benutzt wird. (M. vergl. Report, der Pharm. VII.p. 76.) (N. v. E.)

Abbildungen.

Wall ich in Asiat. Research. Vol. XIII.Rheede Malab. VIL tab. 1.Rumph. Amb. V. tab. 22.Gaertner de fruet. I, tab. 70.

Erklärung der Tafeln.

A. 1. Zwei Blüthentrauben, in natürlicher Gröfse,

2. Eine Blüthe.

3. Die Fruchtknoten mit den unfruchtbaren

Staubfäden.

4. Diese letztern ohne die Fruchtknoten.

5. Die Fruchtknoten besonders.

6. Dieselben im Querdurchschnitt.

7. Einer derselben, der Länge nach durch-

schnitten.

Alle Figuren vergröfsert.

8. Eine Frucht, wie sie im Handel vorkommt.

9. Dieselbe im Durchschnitt, um den Saamen-

halter und den Kern des Saamens zu zeigen.

B. i. Ein Zweig mit Blättern, verkleinert.2. Ein Blatt, in natürlicher Gröfse,

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